85
Commandeur des letztgenannten Bataillons war zu meiner Zeit derMajor von Wichcrt., Wir kennen bereits diesen Ehrenmann aus demkosten Bande der Wanderungen, Seite 77.
Als die aus allen Himmelsgegenden des Staats herbeiziehendenMannschaften in den Communs, den schönen, auf ächt antiken Säulen-ocihcn ruhenden Hintergebäuden des Neuen Palais, bei Potsdam, Quar-to genommen, versammelte der Major die Osficiere, und wußte uns in""er kurzen und kraftvollen Anrede auf die ehrenvolle, aber auch schwereAufgabe, welche uns zugefallen, als Repräsentanten der sämmtlichen Jn-^Mcrie der Armee unter den Augen des Königs unsere militairischen^orpflichtungen zu lösen, aufmerksam zu machen. Er schloß: „ Ich werdeÄncn als Vorgesetzter, Kamerad und Freund belehrend, leitend und hel-stnd vorangehen."
Und so hat er es gethan, und das Lehr--Bataillon von 1824 hat,glaube ich, seiner Aufgabe zu genügen verstanden.
Der Hauptmann der dritten Compagnie (fünftes und sechstes Ar-uiee-Corps) war vor Beendigung seines Commando's zum Major avan-A", und so ward mir, als Premier-Lieutenant, die einstweilige Führung^selben übertragen.
Als ich auf dem Wege zu den Communs bei Sanssouci vorüber-^8. commandirte ich: „Faßt's Gewehr an, Augen links!" und salutirte.
Mir war's, als ob ich den Schatten Friedrichs des Großen an denUnstern seines Palais gesehen hätte. Die mir Gehorchenden mochtenbch verwundern, da sie Niemanden bemerkten, dem solche Honneurs ge-ehrten.
Später erzählte ich einmal im Kreise der Kameraden diesen Act mei-^ glühenden Begeisterung und Ehrfurcht bei dem bloßen Gedanken, daßdort der „ Einzige" gewaltet habe. Einige lachten, die Meisten schwie-stkü, der Major drückte mir herzlich die Hand.
Wenige Tage nach unserm Einrücken stand das Bataillon zur Spe-Aolbcsichtigung auf dem inneren Hofraum des Palais. Der König selbstlvurde erwartet. Oberst von Nöder, Commandeur des ersten Garde-Re-lstnients, promcnirte gemächlich am nahen eisernen Gitter des großen.Wartens im leichten Morgcnrocke, Brunnen trinkend, auf und ab, bis