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des langen Tisches saß die ganze Königliche Familie, an der anderendie Officiere der Lehr-Bataillone, natürlich mit Schärpe und Degen undCzako am Arme.
Also in möglichst unbequemer Lage und Stellung.
Ln s»66 dem Könige wurden die beiden Commandeure der Batailloneplacirt, bei welchen der heut sehr gütig gelaunte Monarch immer erst halb-laute Erkundigungen einzog, ehe er diesen oder jenen Officicr aufrief, umihn etwas zu fragen. (Uns war die gemessenste Weisung geworden, dieAntwort so kurz einzurichten, als eben nur die Frage erforderte.)
Alles war nunmehr in der gespanntesten Erwartung.
An mich richtete der König fast zuerst das Wort.
Nach der Suppe wurden Austern präscntirt, und obgleich ich bemerkthatte, daß der mir dicht gegenübersitzende General von Witzlcben sich denganzen Teller voll aufgehäuft hatte, dies demnach guter Ton sein mußte,so nahm ich dennoch bcschcidentlich nur eine Auster.
Alsbald wendete sich der fünf bis sechs Couverts entfernt sitzendeMonarch zu mir und sagte:
„Na, wenn Sie nicht mehr nehmen, öfter kommt's nicht."
Ich sah auf meinen Teller und schwieg. Welche Antwort paßte hier-auf, und was hätte ich wohl für ein Gespräch anknüpfen sollen, ohne ge-j gen das strenge Gebot zu handeln: „nur die Anrede zu beachten, ohneeigene Gedanken und Ansichten zu entwickeln."
Der König unterhielt sich nun abwechselnd bald mit diesem oder je-nem Officicr-Corps der beiden Bataillone, welche getheilt saßen.
So an den Capitain von Helmrich vom Breslaucr Garde-Land-wehr-Bataillon:
„Sie haben wohl große Erercir-Plätze bei Breslau?"
„ Wir könnten solche wohl leicht haben, aber durch die Dismernbra-tion der Felder und Aeckcr sind die größeren Flächen getheilt und par-cellirt worden; es findet deshalb die verschiedenartigste Fruchtfolge statt,und dies hindert bei den Truppenbewegungen; dieser Uebelstand könntejedoch leicht gehoben werden, wenn" — und so sprach der Capitainwohl noch einige Minuten ohne Unterbrechung fort. Aber und Wenn,