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entheben, wenn ich hier nicht sagen wollte und sagen müßte, daß ich beidieser feierlichen Gelegenheit, wenn auch gerade nicht lebensgefährlich, dochsehr schmerzlich und für die Lebenszeit andauernd, verletzt worden bin.
Wie sich dies zugetragen, will ich hier in wenigen Worten nochbeifügen.
Das Fest war prächtig, der Jubel ohne Ende. In der glänzendenund schönen Gesellschaft unter den Zelten dicht bei den Schießständenschallte die lauteste Freude; Champagncrpfropfen und Segenswünsche stie-gen zum Himmel, herrliche Janitscharen-Musik und wenigstens 50 Trom-meln begleiteten die sinnvollen Toaste, ?ot ü leu und Erdwürfe mit Leucht-kugeln und Schwärmern, Raketen und Tourbillons sauften und braustenin den Lüften, und dabei intonirtc ich mit meinen Vierundzwanzigpfün-dern. Im Eifer dieses gerade nicht unrühmlichen Gefechts, wobei mirder Adjutant öfters zurief: „rasch, rasch, R.!" — eben hatte der Oberstsehr schön gesprochen, und volle Gläser wurden aufs Wohl des gelieb-ten Monarchen geleert, — entreiße ich dem etwas langsamen Untcroffi-cier das Zündlicht, feuere selbst sehr schnell die aufgereiheten Kanonen-schlägc ab — rollendes Donncrgctös erhöht den entscheidenden Moment— aber einer der letzten der Schläge krepirt zu früh, fährt mir in's Ge-sicht, verbrennt mir Kopf und Hände, und wirft mich mit flammendenKleidern rücklings zu Boden.
Ich habe es bis hierher versucht, meiner Erzählung einen gewissenscherzhaften Anfing zu geben, nun aber wich der Spaß, die geladenenGäste gingen zwar übersättigt und müde des Freudentaumels nach Hause,doch bei mir blieb der bittere Ernst allein zurück, und der Schmerz hieltmich Nächte lang wach.
Nach einigen Wochen ward ich wieder dienstfähig; des Festes An-denken bei Andern durch andere Freuden verdrängt, Alles längst verges-sen, nur ich behielt für meine Lebenszeit, wie gesagt, ein ülomonw anjenen dritten August 1824. —
Wir lebten bereits im September. Der Herbst schien sich diesmalin mancher Beziehung etwas zeitig anzumelden, doch will ich diese meineBemerkung nicht allein auf meteorologische, klimatische oder atmosphäe^schc Zustände begründet und angewendet wissen; denn die nahen Laub-