240
So hatte ich im April meinen Freund in St. Petersburg verlassen,und jetzt vernahm ich in Mitau Folgendes über sein verhängnißsäM-res Geschick:
Im Lustschloß zu Gatschina residirte auf kurze Zeit der KaiserlicheHof, und auch der alte General Graf T., immer noch ein sehr freund-licher Gönner Eduards, wohnte daselbst.
Der Zufall führte in jener Zeit Eduard mit dem General zusan>-men; dieser ladete ihn sehr freundlich zu sich ein. Mein armer Bettesfolgte. Er sah die Ungetreue, und nun brach die gewaltsam niederge-drückte Leidenschaft in hellen Flammen wieder empor. Leidenschaft kcuutaber keine Vernunft, und um die heiß und innig Geliebte noch ^wiederzusehen, verbarg sich Eduard einige Nächte hindurch in den lau-gen, ihm von früherher bekannten öden Gängen des Palastes. Soes ihm wirklich schon einige Mal gelungen, die Treulose zu erblickEr wünschte sie aber auch noch einmal zu sprechen, und als er sich d^in einer abenteuerlichen Verhüllung bis an die Gemächer der juug^äams ä'tronneur herangeschlichen hatte, ward er von der nahenerfaßt, nach einer verzwciflungsvollcn Gegenwehr überwältigt undein nahes Gemach eingesperrt.
Wie er nun am andern Morgen nach langem Schlaf gestärkt ^beruhigt erwachte, stand das ganze Ercigniß in seiner Erinnerungnoch als ein wüster Traum; als er jedoch sein Zimmer verlassenhält ihn die vor demselben stehende Schildwachc das Bajonett droh^entgegen, und sticht sogar nach ihm. Ohne weitere Uebcrlegungnun Eduard seinen Stockdegen, den er stets bei sich trug, stürzt auf ^Schildwache und verwundet den Gegner; aber auf dessen GeschrO ^augenblicklich die Wache herbei. Der Unglückliche wird abermals ^wältigt, nunmehr gebunden und eingesperrt, worauf dem Kaistldicsfallsige Rapport gemacht wird.
Einem solchen Vergehen folgt in Rußland ohne Gnade zehnjälss^Zobelfang in Sibirien, oder, wie hier im schwersten Falle, lcbensl^Üliche Arbeit in den Bleibergwerken.
Eduard war demnach seinem Geschick ohne Widerruf verfallen,nicht der alte General (wie derselbe mir einst versicherte) als c
>ve»u