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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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Stiefeln, freien Eintritt in solche vornehme Gesellschaft findet, so daß dieauffallendsten Contraste sich hier unmittelbar berühren*). So ;. B-be-gegnetc ich auch einigen mir zufällig aus St. Petersburg bekanntenDroschkenkutschern, Jswoscheck genannt, welche, nachdem sich ihre herbei-geführte Gesellschaft auf dem Balle oder in den Park verstreut hatte,Wagen und Pferde auf der Straße stehen ließen, und sich da oben inder Kaiserlichen Gesellschaft gar herrlich zu amüsiren wußten. Nur derpenetranteste Moschusgeruch, welcher diesen russischen Olymp erfüllte,vermochte einigermaßen die Gegenwart der Pscrdcbändiger den Orga-nen des Geruchsinncs zu entziehen. Das Amüsement nun für Vor-nehme und Geringe bestand lediglich darin, daß sich Alles bei 30 bis40 Grad Hitze in den eigentlich kleinen Gemächern, zum Erdrücken voll-gepfropft und rücksichtslos gegen die Stehenden und Gehenden, zusaR-mendrängtc. Auch war es wirklich oft unmöglich, einige Schritte nursich vorwärts zu bewegen, und wenn die Allerhöchsten Herrschaften, ichmeine die Kaiserin oder der Kaiser, erschienen, denen unmittelbar Pr>^Oscar von Schweden und Prinz Carl von Preußen in der Tanzord-nung der Polonaise folgten, machte die Menge zwar auf wenige Schrieehrerbietigst Platz, doch schloß sich die Masse sogleich wieder zum unauf-lösbaren Knäul, wenn der Selbstherrscher vorübergegangen war.

Zwei kleine Nebenzimmer befanden sich auf der einen Seite desnicht großen Tanzsaalcs, und hier war es, wo sich die Vornehmsten desHofes auszuruhen suchten; doch waren auch diese Gemächer wiederüberfüllt, daß, wie ich in dieselben eintrat, im Sinne des Wortes nu>der Raum von einigen Quadratruthen für den Kaiser und die höchst^Damen frei geblieben war.

*) Nur zwei Mal des Jahres, am tsten Januar und am Geburtstag derden Juli, dürfen die Russen aller Klaffen mit der Kaiserin in so intimezwangloser Gesellschaft sein.

Custine's Urtheil über diese Hertömmlichkeit ist folgendes: ^

Der Kaiser sagt nicht etwa zum Arbeiter oder zum Kaufmann, indemchcn die Ehre seiner Gesellschaft zugesteht:Komm herein, Du bist ja ein ,wie Ich", sondern er sagt damit nur zu den Großen seines Reichs:Sclaven wie sie; und Ich bin Euer Gott, Ich herrsche und schwebe he tEuch Alle.»