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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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Wenn nun auch der unparteiische Beobachter gestehen mußte, daßgerade die Gewählte unter diesen drei Damen die mindest schönste ge-nannt werden konnte, und ein Eingeweihter in Hofgeheimnisse hinzu-setzen könnte, wie er bemerkt habe, daß der Kaiser bei diesem seiner»Ausspruche einen bedeutsamen Blick auf die Gräfin Sabadowska ge-worfen (deren wirkliche Wunderschöne das Herz und Auge des EMUnicht ganz unberührt gelassen), so bin ich meinerseits nur im Stande,hier meiner Erzählung noch beizufügen, daß die Gräfin Sabadowska nichtallein als die schönste von den drei Damen, sondern als die schönste ar»Hofe in St. Petersburg und vielleicht im ganzen russischen Reiche w»damals öfters genannt worden ist (Juli 1830).

Es drängte sich in die halbe Stunde, welche ich hier in unmittel-barer Nähe des glänzendsten Hofes in Europa und der höchsten Per-sonen unsers Erdthcils verweilte, für mich eine merkwürdige Beobachtungund eine interessante Scene nach der andem.

Ich sah jetzt, wie der Kaiser einen kleinen General von etwas unter-setzter russischer Figur, aber eigentlich von fremdartigem Schnitt des Ge-sichts, bei der Hand erfaßte und seiner Kaiserlichen Gemahlin, wie esmir so klang, mit den verbindlichsten Worten und Anempfehlungen pr^sentirte.

Es war dies der Feldmarschall Graf Paskewitz Criwanski, glücklich^Nebenbuhler des unglücklichen Grafen Ticbitsch Zabalkanski. Auch wur^demselben unmittelbar nach der Vorstellung eine Auszeichnung zu Th^welche heute am Feste nur den Kaiserlichen und Königlichen Pcrso»^zugefallen war; die Kaiserin reichte nämlich dem kleinen General st!»'graciös die schöne Rechte zum Kuß, und eilte mit demselben sogleich ^den nahen Tanzsaal; der ganze glänzende Hof folgte ihr augenblicklich'und die bei solchen Hofbällen allein übliche Polonaise begann abermals-

Bei dieser Gelegenheit sah ich nun wirklich, wie der Kaiser die ^fin Sabadowska zum Tanze aufforderte, und wenn man sich erin»^will, daß diese neue Scene sich unmittelbar an die eben erzählte nntOrange anschloß; so wird man vielleicht erkennen, daß der Kasselsschönsten Unterthanin, wenn auch stillschweigende, doch glänzendeI'gtioir ätronuour oder besser röpgrutivn ck'umour gegeben hat'