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Hen werden soll, so ist er selbst der beste Mann dazu, und es ist Ge-winn, ihn über sich selbst reden zu hören.
Aber auch über Andere hat ein solcher Mann zu sprechen und zu"Heilen, und will man die ächte reine Wahrheit hören, so höre man°uf unsern alten trefflichen Nettelbeck. Er erzählt uns:
„ Colberg war durch die unverantwortliche Fahrlässigkeit seines Com-mandanten, welcher dumm oder böswillig dem Feinde jeden Vortheil gegensich in die Hand gegeben hatte, schon nach einer mehrwöchcntlichen Ne-uerung bereits bis zu den letzten Extremitäten gekommen. Und nur derstandhaften und patriotischen Ausdauer der Bürger und dem tapfern undeinsichtsvollen Benehmen des heldenmütigen Rittmeisters von Schill war^ zu verdanken, daß auf Colbergs Thürmen noch die preußischen FarbenAchten. Es war dabei höchst schmerzhaft — so vernehmen wir weiter vonunserm getreuen Berichterstatter — daß manche höhere Chefs der verschie-den Waffengattungen einen nachlässigen und furchtsamen Charakter tru-si°n. (Eine glänzende Ausnahme davon machen jedoch namentlich der braveAcutenant Post von der Artillerie, der Hauptmann von Waldcnfcls *), alsweiter Commandant, u. m. A. noch. Vor allen aber sind die jüngcrn Offi-*ure und die sämmtlichen Soldaten als unerschrockene tapfere Männer un-^briichllch treu in der Erfüllung ihrer schwercnBerufspflichtcn geblieben.)"
Auf diese Art war, wie gesagt, die Gefahr, auch Colberg in Fein-^ Hand zu sehen, bis zum höchsten Gipfel gestiegen, und nur dem^kräftige,, Zusammenwirken der eben genannten Ehrenmänner, unter^Nen dxr alte Nettelbeck sich vor allen auszeichnete, war es zuzurechnen,"si der Pl^ sich noch von einem Tage zum andern hielt. „ So warN°th, wie gesagt, auf's Aeußerste gestiegen, als eines Nachmittags,^ U>ar schon Ende April, (so erzählt uns wörtlich Nettelbeck) ich den^uuptniann von Waldcnfcls aufsuchte, um mit demselben in einer höchstÖligen Angelegenheit, in der sich abermals die Untauglichkeit des ersten^Mandanten recht unumwunden dargethan hatte, zu sprechen. Ich traf^ Haupimann endlich in einem Außenwerke, und da sich bei demselben""'r gänzlich fremder Herr befand, so zögerte ich, meine Mittheilun-
^rsterer nabm 1833 seinen Abschied als Oberst, letzterer starb noch während^r Belagerung auf dem Felde der Ehre.
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