Buch 
2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
Entstehung
Seite
304
JPEG-Download
 

304

aber läßt sich nicht beschreiben. Wer den Vater unter den Kindern,den Freund unter den Freunden gesehen hat, weiß, was diese glücklichsteZuthat von Gneiscnau bedeutet hat.

Arm und bedrängt war seine Jugend gewesen, nicht reich waren dieJahre seines Mannesalters, obgleich er mit seinem Gemahl, einer gcbo^nen von Kottwitz, ein kleines Rittergut erheirathct hatte. Nicht lange,und es kam die Noth und Bcdrängniß der bösesten Zeit. In dieserhat er von dem Scinigcn geopfert, von dem Staate und von seinesKönige das Wenigste erhalten und verlangt. In fremden Ländern alsSieger nach wälschcr Sitte zu plündern und zu rauben, wie die Sonllsund Masscna's allenthalben gethan, war preußischer und deutscher Kl^Herren unwürdig, und wäre diesem hochherzigen Manne unmöglich g^Wesen. Später hat sein König dem in den Grafenstand Erhobenen e»"bedeutende Schenkung gemacht. Er hat sich das Glück gefallen kaste-ist aber, wie in seinem früheren Zustande, immer ein höherer Herr st^nes Muthes und Herzens geblieben, als Herren, welche bloß das Gli^machen kann; immer fern von jeder Hoffarth und Habsucht, und gest"müthig, hilfreich, freigebig, wie die allbelebcnde Sonne und Luft.weiß durch die Erzählungen und Bekenntnisse vieler seiner Freunde,gern, wie zart und wie geschwind er immer Herz und Hand gcöst^hat, wo er Würdigen und Unglücklichen irgend helfen konnte.

Nirgends aber erschien die Herrschaft über die gemeinen Bedürftund Leidenschaften und über die Kümmerlichkeiten des gewöhnlichenbens in diesem Manne glänzender, als in seiner Haushaltung. ^habe diese seine Haushaltung im mittelmäßigen Zustande in Berlin,habe sie im glänzenden Zustande in Koblenz und Berlin gesehen-mer war Freigebigkeit und Anmuth, später Pracht und Glanz da-selbst, der leuchtende Mittelpunkt der Gesellschaft, voll Liebenswürdig^und Heiterkeit, indem er alles durch Fülle und Herrlichkeit zu erfreuen ^zu beleben suchte, zeigte sich auch als Held bei den gewöhnliche"nüssen; einfach und mäßig in Speise und Trank, mit wenigen GlmWein zufrieden, munterte er seine Gäste zum reichsten und .

Genuß auf, und hatte es gern, wenn sie sich in voller, jubelnder Mheit der Freude ergingen.