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Puschkau bei Striegcm in Schlesien, den Lüsten Mai 1613-
„ Die beispiellose Anstrengung, worin ich mich seit einiger Zeit be-funden habe, hat mich verhindert, Ihnen, verehrter Graf, Nachricht"von uns zu geben. Ich hole solches nach, ohne zu wissen, ob ichso glücklich sein werde, den Brief zu beenden, wenigstens Ew- rc>Alles zu sagen, was ich Ihnen gern vertrauen möchte.
Der neueröffnete Feldzug stellt uns einen Krieg dar, wie er, s§weit ich mich der Geschichte erinnern kann, noch nicht mit gleichtHeftigkeit geführt wurde. In vier Wochen haben wir mehr als 20heftige Gefechte und 3 Schlachttage gehabt. Der Tod hat gewaltigunter unseren Offneren aufgeräumt. Mehrere Bataillone haben ">nnoch 2 Offnere übrig; so wie ein Regiment Cavalleric ebenfallsLetztere hat überhaupt mehr als ein volles Drittel verloren.dennoch stellt dieser Krieg auf der andern Seite die sonderbarsteResultate dar. Wir haben nur einige und fünfzig Stück ^.schütz erobert und dagegen kein einziges verloren. Die Armee 'stungeachtet ihrer steten Rückzüge geschlossen und ungcbroch^in ihrem Muthe, obgleich unzufrieden mit den rückgängigen Bew^gungen, und jeden Augenblick ist sie in Bereitschaft, eine neue Schlaganzunehmen.
Ueber unsern Rückzug von der Schlacht von Lützen müssen Ew-erstaunt gewesen sein. Die Franzosen hatten sich gleichfalls in derNacht zurückgezogen. Die Schlacht war unentschieden gewesen- ^Ursachen dieses Nichtgelingens sind:
1) Die Idee zur Schlacht war gut, die Anlage schlecht-
hielt sich mit Förmlichkeiten und Truppenentwickelungcn zu lange a 'statt mit Colonnen auf den überraschten Feind loszugchcn. ,
2) Aus persönlichen Verhältnissen ward General Miloradow'inicht herbeigerufen. Ich hatte vorgeschlagen, ihn mit seinen ^Mann und 100 Kanonen in der Richtung auf Weißenfels )U d'giren. Dort wäre er gerade in des Feindes linker Flanke erMMan hat meinen Rath nicht befolgt.
3) Wir hatten nur halb so viel Infanterie, als der Feind, ^ten daher nicht das Gefecht so oft als der Feind erneuern, und §