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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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.. zu dessen einziger offenen Ecke wir hinaus mußten. Wir hatten den' Fehler begangen, unsere Truppen, der Ehre der Waffen wegen,lange in dieser gefährlichen Stellung stehen zu lassen. Zwei Stun-den schwebten wir in dieser Krisis. Die geforderte Hülfe kam nicht.Endlich traten wir den Rückzug an. Er ward mit schöner Ordnungvollzogen. Die Defileen, durch die wir ziehen mußten, waren be-reits vom feindlichen Kartätschcnfeuer bcstrichen. Alle Geschütze wur-den glücklich durchgebracht. Der letzten Kanonen bemächtigte sichFeind; sie wurden ihm sogleich durch eine tapfere Escadron wiederabgenommen.

Seitdem sind wir bis hierher fortgezogen. Die Oberleitung derArmee kommt aus dem russischen Hauptquartier. Wir haben keinenAntheil daran. Man hört uns sogar nicht. Wir sind bloß aussi^rcndc Werkzeuge. Endlich wird der uns befehlende General Barettde Tolly in's Kaiserliche Hauptquartier abgerufen. Sogleich benEten wir diese Emancipation. Der Marsch ging über eine weite Ebene-Dcr Feind hatte tagtäglich unsere Arricrcgarde verfolgt. Wir w»^ten ihn dafür bestrafen. Wir verbargen einen Theil unserer Enva^lerie in bewachsenen Gründen. Unsere Arrieregarde lockte fechtend de"Feind über die Ebene. Auf einmal ward das Zeichen zumdurch Anzündung einer Windmühle gegeben. Unaufhaltsamsich unsere Reiterei in die feindliche Infanterie, die schnell OuaN^zu bilden suchte. Unsere Reiterei gab wenig Pardon, deswegenden wenig Gefangene gemacht, zwischen 3 400; 18 Kanonen ^ren erobert, aber wegen der Schnelligkeit, womit ein solches llnt^nehmen ausgeführt und beendet werden muß, konnte nur etwaHälfte derselben, aus Mangel an Pferden, in Sicherheit geb^werden. Das ganze weite Feld war mit Todten und Verwund^'

^ bedeckt. Seit den letzten Tagen ist uns der Feind nur sehr bc)sam gefolgt, da wir ihm einmal die Zähne gewiesen haben. ^ ^

Uebrigens haben wir manchen Verdruß. Wir sehen uns"

durch unsere Freunde nicht minder als durch unsere Feindeplündert. Selbst unsern Soldaten raubt man die Lcbensnütteltrm^porte, die wir mit Sorge und Kummer herbeigeschafft haben

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