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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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Principienschlachl, in weicher practische Erfahrungen, tüchtiges Wissenund Gelehrsamkeit, nicht unbedeutende Beredsamkeit und vortreffliches Ge-dächtniß nach Kräften sich gegenseitig bekämpften, endete leider mit einemichr kläglichen Rückzüge, welchen mein theurer Lehrer, Carl von Decker,antreten mußte. Da er ohne Berechnung seine ihm zu Gebote gestan-denen Truppen gleich Anfangs vcrsplittert hatte, so mußte er, nachdemPur das sämmtliche schwere Geschütz seiner praktischen Gelehrsamkeit dc-Urvntirt worden, seine Zuflucht zu gewöhnlichen Ausdrücken und Entgeg-nungen, sogenannten Gemeinplätzen nehmen, verlor einen Vortheil nach

dem

andern, und wußte sogar die durch des Fcldmarschalls Einschreiten

lustig vorbereiteten Tcrrainabschnitte nicht festzuhalten.

Und der Major von Brandt, seinen Kriegsprincipien und seinem großenPsserlichen Vorbilde getreu, baute dem geschlagenen Gegner wahrlich keineT°ldnen Brücken, sondern vernichtete denselben bis auf den letzten Mann.

Auf diese Weise, wie ich hier ungefähr auseinanderzusetzen bemüht^U>esen bin, habe ich damals meist als stiller Beobachter an der Tafel^ Fcldmarschalls jeden Vortheil und jede Belehrung festzuhalten gesucht,^chc ,'ch so manchmal in meinem spätern Kriegsleben anzuwenden Ge-^genheit fand. Mir ward bald der Wettstreit gelehrter Offnere, bald^ vorsichtige und gewandte Betragen, welches die Anwesenheit des^hc>, Felphxrrn jedem Einzelnen gebot, zum nützlichsten Vorbilde.

Aus meinem Tagebuch von damals, welches, wie ich schon vorher

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be-

merkte.

mir die Unterhaltungen des Feldmarschalls mit seinen Umgc-Ugen gar oft in Erinnerung bringt, strahlen mir, im Vereine mit denEbenen Belehrungen, welche ich in den letzten wichtigen Lebcnstagcnunsers unsterblichen Helden sammelte, jetzt so manchmal die wvhlthuend-^ Sonnenblickc in den Herbst des Lebens.

hin

Möchwn solche auch in den Lcbcnsmai meiner jüngern Kameraden^"glänzen!

, Möchte Sie Alle, in der Erinnerung an die glorreichen Vorbildernoch nicht fernen Vergangenheit, sich selbst den schweren Lebens-des Militairs in jetziger Zeit ebnen und erhellen!

Bei dem Wunsche, möglichst verständlich und gewissenhaft meine Er-^hlungrn zu ordnen und wiederzugeben, habe ich mir vielleicht manch-