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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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ten wieder. An gegenseitigem Zuspruch, an Austausch der Ideen fehltees nicht mehr. Die freche Weise, mit welcher das Unglück verspottet,mit welcher die Besiegten verhöhnt wurden, die freche Weise, mit wel-cher man Feuerbrände und Pechfackcln in die Paläste und in das Ge-bäude der alten Staats-Einrichtungen trug und hineinschleuderte, riefnothwendig Verglcichungen hervor mit fremden Ländern, mit anderenZeiten, und erweckten Ideen über Hülfe, Rettung und Sicherung. Derfortdauernde Druck, der auf dem Leben lag, und den Alle empfanden,Hohe und Geringe, reizte die ganze Spannkraft, die in der menschlichenSeele ist, zum Widerstände auf. Der Hohn des Friedens von Tilsit,die verachtende Weise, in welcher das Königreich Westphalen errichtwurde, die Hin- und Herwürfelungm von Land und Leuten aus deinvernichteten Reiche, das unwürdige Verfahren überall, die Dcmüthigun-gen, die Kriechereien und Hündeleicn: in der That, es konnte nicht an-ders sein, die tiefsten Gefühle, die edelsten Leidenschaften mußten in jeg-licher menschlichen Brust erwachen, die irgend Etwas werth war.

Sie erwachten. Aus ihnen ging eine schöne Reinigung der Sp-ielt hervor; große Entschlüsse wurden gefaßt; jegliche Entbehrung wurdeleicht ertragen; keine Entsagung wurde schwer, keine Aufopferung g^scheut. Es begann sich eine Gemeinde edler Menschen zu bilden, du,ohne Bund eng mit einander verbunden und ohne von einander zu nnsisen, von Einem Gefühl ergriffen, von Einem Grundsatz geleitet, vonEinem Entschlüsse durchdrungen waren. Wenn Einer aus dieser Ge-meinde auf den Andern stieß, so erkannten sie sich sogleich und verstauden sich ohne Explikationen und ohne mystische Zeichen. Die Feigen undSchlechten traten betreten vor ihnen zurück, ohne die verräterischezu haben, schaden zu können.

Bald schlugen helle Lichter der Hoffnung durch die Nacht der Z^'Im Jahre 1808 wurde zwar das Gefühl der Noth, in welcher sich ^ganze nördliche Deutschland befand, schwerer als zuvor, weil sichund mehr das unermeßliche Unglück herausstellte und erwogen und gewürdigt werden konnte. Aber der Ausstand in Spanien bildete ein g^ßes Gegengewicht. Es war ein gewaltiger Schlag. Je weniger Spu^nien bekannt und geachtet worden, desto tiefer war der Eindruck-