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Lehrbuch der Kriegsbaukunst : zum Behuf der Vorlesungen in Kriegs- und Ingenieur-Schulen / von J.G. v. Hoyer
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restlichen ist. Man siehet: daß auch, an sich nichtnchr zur Vertheidigung bestimmte, alte Städte dennochisinrcichendcs Widerstandsvermögen besitzen, sobald mantlle Zufälligkeiten der Lage und des Baues zu benutzenvciß, und sobald man die zweckmäßige Anwendung derrbcir vorhandenen Veriheidigungsmittel kennt. Manzebe nicht die Hoffnung auf: eine anscheinendschlechte Festung vertheidigen zu lönnep, selbst beiunzureichenden Mitteln! Nur einem mit Nachdruck undAnsieht geführtem Angriffe vermag man mit letztemtricht lange zu widerstehen. Fehlt es hingegen auchdem Feinde vielleicht an Orts- und Sachkenntniß; sindseine Arbeiten schlecht gearbeitet; werden sie nicht mitKraft und guten Willen ausgeführet; so gebe man dieHoffnung nicht auf: sich dennoch lange halten zu kön»ncn. Um so größer ist der Ruhm des Ingenieurs unddes Artilleristen, wenn sie bei schwachen, bald berste»genden Hülftquellen Großes unternehmen und auosnh»tcn; mehr als sich unter diesen Umständen erwartenließ. Groß und unerschöpflich sind die Mittel desmenschlichen Willens! Das schwerste, das unmöglichscheinende wird ihm leicht, ,so lange ihm der fest« Ent-schluß beiwohnet. Dann giebt er keinem Entschuldigungs-grunde einer zu frühern Uebcrgabe Gehör. Und jedeUebergabe ist zu früh, so lange der Besatzung nochEine Scheidewand zwischen ihr und dem Belagererübrig bleibet, hinter der sie sich vertheidigen kann; solange sie noch Pulver genug hat: den feindlichen An-griff nur Eine Stunde lang abzuschlagen.