Vorrede,
Das schon frühzeitig gefasste Vorhaben des Verfassers,eine Physiologie der Gewächse nach dem Muster der grossen.HALLEn’schen Physiologie zu bearbeiten, worin die vieleneinzelnen Thatsachen über das Leben und den Bau derGewächse gesammelt und in ein Ganzes vereinigt werdensollten, wobei er sein erstes Augenmerk auf die Befruch-tung richtete, und dieMang’elhaftigkeit unserer Kenntniss hier-über erkannte, gab die erste Veranlassung zu dieser »Schrift.Der im ersten Jahrzehend des gegenwärtigen Jahrhunderts.von Schelver aufs neue aufgeregte Streit über die Sexualitätder Gewächse hatte auch die Notlnvendigkeit einer genaue-ren und gründlicheren Untersuchung der Befruchtung, einerder wichtigsten Erscheinungen des Lebensakts der Pflanzen,noch deutlicher heraiwgestellt. Zur Beantwortung dieserAufgabe schien dem Verfasser die Bastardbefruehtung dergeeignetste Weg zu seyn.
Um aber zum genaueren Verständniss der Befruchtungüberhaupt zu gelangen , glaubte der A^erfasser eine umständ-lichere Prüfung der Lebensverhältnisse jedes einzelnen Theilsder Blume vornehmen zu müssen , um ihre Natur und ihrenZusammenhang mit der Befruchtung durch künstliche Be-stäubungen mit dem eigenen Pollen beurtheilen zu können,und den Beitrag jedes einzelnen Theiles zu den Befruch-tungserscheinungen und über die sexuellen Kräfte in denBlumen vorläufige Aufklärung zu erhalten. Wir betrach-ten daher diese Schrift als die nothvvendige Einleitungzur Lehre über die Befruchtung der Gewächse, indemwir die Resultate unserer angestellten Versuche hierüberim Folgenden mittheilen.