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1 (1822) Erster Band in welchem die Pulvertheorie und die Einrichtung der Artillerie abgehandelt werden / von Carl Friedrich Borkenstein
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Kaliber, 1 Zoll, 2 Zoll, z Zoll, 4 Zoll, ? Zoll, 6 Zoll und 9 Zoll von dem Stäbe abge-stellt, und bei einer Entfernung der Mündung von 1 Kaliber b!S i Zoll hatte sich das Ge,schütz nicht im geringsten gerührt, während die Kugel sich im Laufe bewegte; aber bei Ent-fernungen der Mündung von 2 Zoll, g Zoll, 4 Zoll, 5 Zoll, 6 Zoll und 9 Zoll, war dasGeschütz Z, Z, i, 2, z und 4 bis 5 Linien zurückgelaufen, ehe der Stab von der Kugel durch-schlagen wurde.

§. n6.

Jetzt entstehet die Frage, wie laßt es sich erklären, daß sich das Geschütz nicht snselbigem Augenblick in Bewegung setzt, als die Kugel, da die Pulverkraft auf 2 Körperwirkt, welche wirklich dadurch in Bewegung gesetzt werden? Ich glaubte anfangs, daß marrdie Ursache davon auf folgende Art angeben könnte: Jede endliche Kraft, welche auf einenendlichen Körper wirkt, kann selbigem nur in einer endlichen Zeit eine endliche Geschwindig-keit mittheilen; denn wenn die Kraft dieses in einem Momente, in einem unendlich kleinenZelttheile thun sollte, so müßte die Kraft unendlich groß seyn. Je schwerer nun der zu be-wegende Körper ist, je größer ist auch die Zeit, ehe die Bewegung ^vor sich gehen kann,folglich wird sich die Kugel eher in Bewegung setzen als die Kanone. Aber warum solldieses nun gerade so lange dauern, bis die Kugel zur Mündung herausfährt, da in obigenVersuchen bei einem länger« Abstände des Stabes als 1 Kaliber von der Mündung die Be-wegung wirklich vor sich gegangen war? Man könnte hier vielleicht glauben, daß es nurein bloßer Zufall war, baß das Geschütz sich nicht eher in Bewegung setzte, als bis die Ku-gel die Mündung verlassen hatte, indem der Lauf nur zufälligerweise eine solche Längehatte, bel welcher die Zelt der Bewegung der Kugel bis zur Mündung genau fo langedauerte, als erforderlich war, baß die Pulverkraft auf die schwerere Masse des kleinen Ge-schützes gewirkt haben mußte, um selbiges In Bewegung zu setzen. Allein diese Vermuthunghat nicht die geringste Wahrscheinlichkeit für sich, und mau könnte also wohl mit Sicher-heit annehmen, daß es durch die erwähnter, Versuche allgemein erwiesen sey, daß sich rittGeschütz, möge dessen Länge seyn, welche sie wolle, nicht eher inBewegungfetzt, um zurück zu laufen, als bis die Kugel die Mündung verlassen hat»

Wenn dieses nun aber als erwiesen angesehen werden kann, so wird man es auseine andere Art erklären müssen, warum die Bewegung der Kanone erst alsdann vor sichgehet, wenn die Kugel die Mündung verläßt. Die Erklärung welche der Herr General vonHelvlg darüber giebt, ist folgende: Wenn man sich vorstellt, daß die Ladung entzündetund in Gas verwandelt worden sey, und die Kugel alsdann so fest in den Lauf eingeschlos-sen wäre, daß sich selbige nicht bewegen könnte, so wird das Gas in diesem cylindrifchenGefäße, mit welchem die Kugel vereinigt ein Ganzes bildet, gleich stark nach allen Seitenwirken, und also das Gefäß vollkommen unbeweglich bleiben, welches natürlich ist, undworan Niemand zweifeln wird. Wenn man sich nun vorstellt, daß die Kugel, welche man