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2 (1822) Zweiter Band welcher einen Nachtrag zum ersten Bande, die Lehre über die Kugelbahn und Wahrscheinlichkeit des Treffens, und ferner eine Abhandlung über die Artillerie der englischen Marine und einige Nachrichten über die preussische Artillerie enthält / von Carl Friedrich Borkenstein
Entstehung
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XXXIII
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dadurch lernen, was man bisher noch nicht gewußt hat, was man aber nothwendig w!s.sea muß, wenn man Kanonen, welche man aus einer Eisenhütte erhalt, richtig beurtheilenwill, um festsetzen zu können, unter welchen Bedingungen selbige als brauchbar angenommenwerben können.

XXXVII.

Angenommen, daß auS diesen Versuchen nun z. E. bestimmt würd«, baß das spe-cifische Gewicht derjenigen Kanonen, welche man als brauchbar annehmen dürfe, nicht ge-ringer als 7,228 seyn müsse, wobei der pariser Kubicfuß von diesem Gußeisen 7,228 . 70 52;,y6 ober beinahe 506 Pfund poi<I» äv «mrc wiegen würde, und wobei also jede Ka-none von einem geringern specifischen Gewicht, verworfen werden müßte; so könnte man ge-gen diese Methode vielleicht einwenden, daß solche Kanonen, bei denen das specifische Ge-wicht unr etwas geringer als 7,228 wäre, vielleicht sehr brauchbare und dauerhafte Kano-nen seyn könnten, welche man aber bemungeachtet casstren müßte.

Dieses kann sich sehr wohl ereignen, das ist nicht zu leugnen; allein eS ist doch un-umgänglich nothwendig, eine gewisse Gränze festzusetzen, welche man nicht überschreitendarf, möge das fehlende auch noch so wenig seyn. Wenn man nemlich mit dergrößten Gewissenhaftigkeit nach dieser Vorschrift verfährt, so zwingt dieses den Fa-brikanten keine andere alS solche Kanonen zu liefern, welche entweder dasvorgeschriebene specifisch« Gewicht, oder ein noch größeres haben, und eswird dadurch die Fabrkcation mit der Zeit zur höchsten Vollkommenheit gebracht. Die Ka-nonen werden zuletzt so gegossen werden, baß man in der Folge auch nicht eine einzigemehr zu verwerfen braucht.

XXXVIII.

Als Maritz, der Erfinder der horizontalen Bohrmaschine, damit beauftragt wurde,die für die französische Flotte bestimmten Kanonen von Gußeisen zu liefern, wollte selbigerbeim Bohren derselben den nrmllchen Bohr anwenden, dessen er sich bei den Metallkanonenbediente. Damit dieses aber angehen könnte, so ließ selbiger die Kanonen von weichemEisen gießen, indem seine Einbildungskraft, vielleicht in Verbindung mit seinem Jnt.r-esse, es Ihm vordemonstrirte, baß eine Kanone von welchem Gußeisen weniger, als eine vonharte»', dem Zerspringen ausgesetzt sey. Da auf diese Art aber schlechte Kanonen für bkeFlotte geliefert wurden, hielt eS Montalemberl für seine Pflicht, auf diesen Umstandaufmerksam zu machen, und der Acadewir der Wissenschaften die oben erwähnte Abhand,lung (XXXV.) vorzulegen.

Nun ist freilich nicht zu leugnen, daß diese Kanonen von einem härtern Guß, schwe-rer zu bohren, aber besonders schwerer abzudrehen find. Allein sollte dieses Abdrehenein« so nothwendig« Sache seyn, wenn man dle Kanonen ln Sand formet, und ihnen schon

AVkltrr Band.