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Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde : für den allgemeinen praktischen Gebrauch / von G. Fr. Kolb
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PREUSSEN. Militär (Kriegsgeschichtliche Notizen).

auf dem Papiere entziffert. Es ist kaum nöthig, daran zu erinnern, dassdie wirklich verfügbare Macht hinter solchen Berechnungen immer weitzurückbleibt.

Die Landwehr unterliegt einer vollständigen Umgestaltung. *)

Festungen. Es sind deren 29 (laut Kammerverhandl. v. 1863)**),namentl.: Saarlouis, Coblenz mit Ehrenbreitstein, Cöln mit Deuz, Min-den, Erfurt mit dem Peters berge und der Cyriaksburg, Magdeburg, Wit-tenberg, Torgau, Spandau, Küstrin, Stettin, Stralsund, Colberg, Glogau,Cosel, Glatz, Schweidnitz, Neisse, Posen, Graudenz, Thorn, Swine-münde, Marienburg, Danzig, Pillau, Königsberg und Lötzen (Boyen).

Ferner hat Preussen in Mainz, Luxemburg und Rastatt das Mitbe-satzungsrecht.

Kriegsgeschichtliche Notizen. Preussen hat sich als Militärstaat em-por geschwungen. Friedrich II. fand bei seiner Thronbesteigung in demnicht 3 Mill. Menschen umfassenden Staate ein Heer von 76,000 Mann.Seinen Einfall in Schlesien (1740) führte er zwar nur an der Spitze vonetwa 28,000 M. aus, hatte aber beim Beginne des zweiten schlesischenKrieges (1744) angeblich 100,000 M. Den siebenjährigen Krieg eröff-nete der König (1756) durch seinen Einfall in Sachsen mit 60,000 M.Während dieses Krieges kämpften die preuss. Heere in 1 6 Hauptschlach-ten ; es wurden ihnen 3 Corps durch die Feinde zu Grunde gerichtet,und sie verloren überdies 5 Besatzungen. Die Gesammtsumme seinerVerluste an Todten und Gefangenen schätzte Friedrich selbst (Histoirede man temps) auf 180,000 M. ; ausserdem seien 33,000Einwohner denBarbareien der Russen erlegen; die Verluste der preuss. Verbündeten(Britten etc.) hätten 160,000 betragen; sonachGesammtverlustpreussi-scher Seits 373,000. Die Verluste seiner Gegner berechnete der Kö-nig so: Oesterreicher (welche in 10 Hauptschlachten kämpften und 3Besatzungen einbüssten) 140,000; Russen (in 4 Schlachten, Verlusteauf dem Marsche etc.) 120,000; Franzosen (meist gefangen) 200,000;Schweden 25,000, zusammen 513,000. Totalverlust beider Theile886,000. (Die Schätzung des franz. Verlustes ist besonders zu hoch.)

Die im Jahre 1806 (Jenaer Feldzug) wirklich in Activität gesetzteTruppenzahl mag 120 130,000 M. betragen haben. Nach dem Til-siter Frieden durfte Preussen höchstens 42,000 M. unterhalten. Alleindiese Beschränkung drängte dazu, möglichst die ganze Nation wehrhaftzu machen (Scharnhorsts Verdienst). Daher die neue Kriegsorganisationmit dem s. g. Krümpersysteme. Für den russischen Feldzug musstePreussen den Franzosen ein Hülfscorps von 20,000 (wirkl. 23,300) M.

*) Wie wenig man bisher die Gesammtsumme der jungen Männer wehrhaftmachte, und wie weit man bei dem »stehenden Heerwesen« von diesem Zieleimmer entfernt bleiben wird, zeigt folgende Thatsache. Nach Dietericis Berech-nung betrug 1858 die Landwehr ersten Aufgebots (damals vom 25. bis 32. Al-tersjahre) höchstens 380,253 Mann. Diese Ziffer ist viel zu hoch, weil alle Ab-gänge vom 21. bis 32. Jahre nicht berücksichtigt sind. Die Zahl der im ange-gebenen Alter stehenden jungen Männer war aber bei der wirklichen Aufnahme1078,566. Nur bei einer der schweizerischen ähnlichen Heereseinrichtung istein Wehrhaftmachen des ganzen Volkes möglich.

**) Doch sind einige aufgehobene, wie Jülich und Schweidnitz, dabei.