PREUSSEN. — Sociale und industrielle Zustände.
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stellen (unter York). Als sich dieses, Ende 1812, gegen Napoleon er-hob, und der König endlich zur Kriegserklärung gebracht ward, standenbald (181 3) über 120,000 M. im activcn Heere, ja die Gesammtmachtkonnte, die Nichtcombattanten eingerechnet, bis auf 253,000 M. ge-bracht werden, wovon, auch nach der Vermehrung der gewöhnl. Trup-pen, doch nur 55,100 M. Garde und Linie. — Die 4 Armeecorps vonBülow, Tauentzien, York und Kleist umfassten 44*/ a Bataill. Garde undLinie, dagegen 17 l Bat. Landwehrund Reserve. (Bei Grossbeeren stan-den im Kampfe: 14*/ 2 Bat. Linie, 71 B. Res. und Landw. ; bei Havel-berg, wo eine franz. Division vollständig aufgerieben wurde, blosLandw.;bei Bennewitz 14 B. Linie, 43 —45 B. Landw. Leider fehlen specielleAngaben von Leipzig.) — Im Feldzüge von 1815 umfassten die 4 Ar-meecorps 25 B. Linie und 111 Bat. Res. und Landwehr. (Beitzke.) —Der Feldzug von 1864 kostete nur 105 Todte, 1628 Verwundete, 54Vermisste = 2087 Mann.
Marine. Stand im Juni 1864 :
Schraub en-Dampfer: 3 Corvctten zu 400 resp. 375 Pfdkr. mit 28 Kan. —6 Kanonenboote zu 80 Pfk. und 3 K.; 15 zu 60 Pfk. und 2 K. — Dazu:neu angek. 2 schwereCorv.; im Bau 3 ditto, 1 Widderschiff u. 1 kön. Yacht.Rad-Dampfer: 2 zu 250 und 120 Pfk., 4 und 2 Kan. — Dann 1 Wachtschiffund 2 Bugsirdampfer.
Segelschiffe: 3 Fregatten zu 48, 38 und 28 Kan.; — 3 Briggs, 2 zu 16, 1 zu10 K. j — 2 kl. Fahrzeuge.
Ruderschiffe: 36 Bomben-Schaluppen zu 2, und 4 Bomben-Jollen zu 1 KZusammen 88 Fahrzeuge mit 370 (nach and. Angabe 441) Kan., ungerech-net die Geschütze der neu angekauften und ausgebauten.
Sociale und industrielle-Zustände.
Allgemeine Betrachtungen. Der alte Militärstaat Preussen, mit seinenBegünstigungen des Adels (dessen Angehörige, selbst nach Friedrich’sII.Ansicht, gleichsam allein »Ehre im Leibe« haben sollten; für welchedaher die Officicrstellen reservirt wurden, wie ihnen nach den Kriegendie Gelduntorstützungen — meist wirkungslos ! — zuflossen), — dieserMilitärstaat, in dem invalide Soldaten die nächsten Ansprüche auf Schul-lehrerstellen hatten, und worin nebenbei die Bureaukratie sich erhob, —er brach auf den ersten Schlag, bei Jena, vollständig und unrühmlichzusammen. Die unbedingte Nothwendigkeit einer Umgestaltung lag vor,wenn Preussen nicht vernichtet sein sollte. Es ist das Verdienst Stein’sund seiner Genossen, diese Nothwendigkeit erkannt und die Kraft zurDurchführung besessen zu haben. Allerdings waren diese Männer nochin einer stark aristokratischen Anschauungsweise befangen, welche sieabhielt, das freie Princip auch nur in den bürgerlichen Verhältnissen mitallen Consequenzen anzuerkennen. Dennoch ward vergleichsweise Gros-ses geleistet. Die Erbunterthänigkeit, ein Rost der Leibeigenschaft, wardaufgehoben; Jedermann durfte Grundstücke erwerben (die Herstellungdieses so natürlichen Rechtes erregte damals die grössteUeberraschung!).Theilbarkeit des Grundeigenthums und Gewerbsfreiheit wurden aner-kannt (wenn auch nicht in dem vollen Umfange wie in Frankreich) ; mangab wenigstens den Städten (aber eben nicht allen Gemeinden) das Rechtder Selbstverwaltung ihrer Communalangelegenheiten zurück. Endlich