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1 (1824) Erster Theil: Taktische Geschichte der Artillerie / von W. von Grevenitz
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13
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die mächtigsten Staaten zertrümmerten, große Belehrungendar? Kann man aus ihren Feldzügen reine Grundregeln,reine Lehren der Kriegskunst abstrahiren? Gewiß nicht.Es sind Eroberer, es sind heftige Ströine, die anwachsen,austreten, sich ergießen, ganze Welttheile überschwemmen,und eben so schnell wieder in ihr Flußbette zurückgedrängtwerden. So auch Napoleon. Und als alle Völker zurVerzweiflung gebracht waren, traten sie auf gegen denUnterdrücker, gegen den Weltsiürmer. Der Kampf für eu-ropäische Freiheit begann und endete mit dem Untergängedes Eroberers. Mit Europa im Kampfe zeigte sich der-selbe nochmals als Feldherr. Reich mußte eine solche Zeitan großen Begebenheiten seyn, reich an Schlachten umdie Existenz der Völker geschlagen, aus welchen nach drei-jährigem Kampfe die Freiheit der Monarchen, wie die derVölker siegreich hervortrat.

Indem wir uns damit beschäftigen, die verschiedenenPunkte der neuern europäischen Kriegskunst zu bezeichnen,nehmen wir nach Gustav Adolph und Friedrich den fran-zösischen Révolutions- und Eroberungskrieg als dritteEpoche an. Wir sehen am Ende derselben vollendet, wasim amerikanischen Kriege den Anfang nahm. Die stehen-den Heere lösten sich in Volksbewaffnung (Nationalgar-den, Landwehr u. s. w.) auf. Diese Bewaffnung schaffteeine Menge Einrichtungen und Formen ab, die mit denstehenden Heeren verbunden waren, und ihren Ursprungim Feudalsystem hatten. Von der Flinte wurde nichtmehr allein in geschlossenen Bataillonen und künstlichemPelotonfeuer, sondern int einzelnen &d)'te$en Gebrauch ge-macht. Das Tirailleursystem und die Tirailleurtaktik er-hielten die weiteste Ausdehnung. Endlich machte die er-weiterte Benutzung und die Beweglichkeit der Artillerie dieAnwendung der Kolonnenangriffsmassen möglich, und än-derte die bisherige Taktik in langen ausgedehnten Treffen-linien. Sie selbst (die Artillerie) ward in großen Massen