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1 (1824) Erster Theil: Taktische Geschichte der Artillerie / von W. von Grevenitz
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19
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In eben diesem Jahre bedienten sich die Ritter inPreußen des Feuergewehrs *).

Im Jahre 1356 verkaufte Meister Senger zu Nürn-berg Geschütze und Pulver. Einige Jahre nachher (1360)brannte das Rathhaus zu Lübeck durch einen Unfall beimPulvermachen ab, und in eben diesem Jahre hatte ErfurtDonnerbüchsen 1 2 ). Die ersten Geschütze traten an dieStelle der ehemaligen Kriegsmaschinen, und wurden, wiejene, zuerst nur bei Belagerungen gebraucht.

Diese ersten Geschütze sollen hölzerne, mit eisernenRingen zusammengehaltene Röhren gewesen seyn. So-dann verfertigte man sie aus eisernen Stäben, welche,der Länge nach, zusammengeschmiedet und durch eiserneRinge mit einander verbunden waren. Endlich wurdensie von Eisen gegossen. Diese ersten Geschütze nannte manBombarde» oder Donnerbüchsen. Man transportirte sieauf Wagen von einem Orte zum andern, und baute zuihrem Gebrauche besondere hölzerne Gerüste von Balken.Sie bedurften in Betreff ihrer Schwere und Handhabungeiner langen Zeit, ehe sie zum zweiten Male abgefeuertwerden konnten. So hatte Muhammed, 1453, bei der Be-lagerung von Konstantinopel Geschütze, welche 200 Pfundschwere Steine schössen, und kaum vier Mal in einem Tageabgefeuert werden konnten 3 ).

Diese neue donnernde Erfindung erregte in den fin-stern Zeiten des Aberglaubens und der Unwissenheit großesStaunen und Schrecken, und kam nur sehr langsam inallgemeinen Gebrauch; denn erst mit dem Jahre 1440entstanden auch in Deutschland Stückgießereien, und derGebrauch der Geschütze wurde bekannter; wenn auch manche

1) Beitrage zur Geschichte des Pulvers und der Geschütze.

2) Ebend.

3) v. Tempclhoffs Artilleriewissenschaft S. 2 t.