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1 (1824) Erster Theil: Taktische Geschichte der Artillerie / von W. von Grevenitz
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rend dre Artillerie der Italiener noch sehr schwerfällig mitOchsen bespannt war.

Die Italiener waren so erschrocken über den Gebrauchund die Wirkungen dieser Artillerie, daß in der Schlachtvon Fornovo (1495) selbst die Stradiotti (leicht be-waffnete Reiter ), welche man damals für die besten Trup-pen in Italien hielt, nicht Stand hielten. Man sprachvon nichts Anderem, als von der Erscheinung dieser Ar-tillerie im Felde *).

Mit der Einführung der Artillerie als Feldgeschützmußte man ihr auch bald einen Platz in der Schlachtord-nung anweisen. Da sie indeß noch nicht in Unterabthei-lungen von Brigaden oder Batterien zerfiel, sondern ineinem Haufen unter dem obersten Feldzeugmeister und sei-nem Lieutenant, ohne andere Offiziere, bloß von Büchsen-meistern befehligt wurde, und Belagerungs- und Feldar-tiüerie nur eine Masse bildeten: so konnten die Bewegun-gen derselben nur sehr langsam seyn, und die Taktik derGeschütze mußte sich auf bloße Stellungen beschränken.

Bevor wir indeß die Stellung der Artillerie in ein-zelnen Schlachtordnungen aus dem Anfange und der Mittedes sechszehnten Jahrhunderts berühren, mag nachfolgen-der Entwurf des Etats eines deutschen Artillerie-Trains 1 2 )eine Uebersicht geben, wie schwer die Beweglichkeit derArtillerie zu dieser Zeit gewesen sey, da sie zwar einenweiten Schritt vorwärts gethan, doch beinahe zweihun-dert Jahre bis zu diesen Erweiterungen bedurft hatte.

1) Mémoires de Commines, lib. VIII. cap. 6.

2) Frviispergers Kciegsbuch, 2t Th., S. 2. fgd. der Aus-gabe VVN 1596.