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1 (1824) Erster Theil: Taktische Geschichte der Artillerie / von W. von Grevenitz
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die Petarde an, sprengten auch das Thor, konnten abernicht eindringen, weil die Türken den Eingang verschüttethatten; der Ucberfall mißlang, und Herr von Schwarzen-berg wurde verwundet *).

Der niederländische Krieg, so wie die Religions- undbürgerlichen Kriege in Frankreich unter Heinrich IV., wa-ren mehr Bildungsperioden der Infanterie. Der AdmiralColigny, Heinrich IV., Wilhelm und Moriz von Oranienwaren die größten Infanteristen ihrer Zeit, und legtenden Grund des Jnfanteriewesens.

Da die Geschütze noch immer wegen ihrer großenSchwere und ihrer laffetarischen Unbehilflichkeit im Feldenicht die Wirkungen hervorbrachten, die man von ihnenerwartete, so verfiel man darauf, Feuerrohre von kleine-rem Kaliber mit einander auf einem Gerüste zu vereini-gen, um durch ihr gemeinschaftliches Losbrennen eineArt von Kartätschenschuß zu erhalten. Die Röhren lagenbald in gleicher, bald in ungleicher Anzahl in zwei bisvier Reihen über einander, und waren unter dem NamenIgel- oder Orgelgeschütze bei den europäischen Heeren eineZeit lang im Gebrauch. Da aber das Laden der vielen Läufemehr Zeit brauchte, als man in kritischen Augenblicken dazuverwenden konnte, so wurden fie bald wieder abgeschafft.

Noch war es einem späteren Zeitraume vorbehalten,durch die Artillerie eine völlige Aenderung der Stellungs-kunst der andern Waffen herbeigeführt zu sehen, wenngleich nun schon über 250 Jahre seit dem Gebraucheder ersten Geschütze verflossen waren. Am Ende die-ser Periode waren nach mancherlei Abänderungen, derenAnführung hier nicht zum Zwecke gehört, nachfolgende Ge-schütze im Gebrauch. In Frankreich folgte man im Ganzender nachdem Edikt von Blois (1572) von Karl IX. be-stimmten Proportionirung, und hatte folgende Geschütze I) 2 ):

I) A. st. £> 2) Mémoire« de St. Remy, Tom. I. p. 75.

«. Grevenitz Org. u. Takt. I. 3