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1 (1824) Erster Theil: Taktische Geschichte der Artillerie / von W. von Grevenitz
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Achtzehn Jahr alt, bestieg derselbe in einer unruh«vollen Lage des Reichs den Thron. Im Kriege mit Dä-nemark, Rußland und Polen, bildete er seine militärischenTalente und seine Armee so aus, daß er endlich derSchöpfer einer neuen Stellungskunst wurde. Tiefe Blicke,wie vor ihm noch Niemand seit Einführung der Kanonen,hatte Gustav in das Geschützwesen und in den Gebrauchder Artillerie gethan, und einer größer», weitem Ausdeh-nung dieser Waffe in spätern Zeiten den Weg gebahnt.

Mit einer kleinen Armee trat der junge Held inDeutschland auf (1630), lieferte Schlachten und machteMärsche in einer ganz veränderten Gestalt. In einemZeitraume von ncunundzwanzig Monaten sehen wir ihnjenen ganzen weitläuftigen Landstrich, welcher sich vonden ungarischen und schlesischen Gränzen bis an die Uferdes Rheins, und von dem Kostnitzer See bis an dasBaltische Meer erstreckt, erobern und besetzen.

Er setzte die bis dahin üblichen ungeheuern Regi-menter, welche fast 3000 Mann zahlten, erst bis auf1200, und dann auf 1008 Mann, um desto mehr Offi-ziere unter die Soldaten stellen zu können ').

Wenn auch früher in einzelnen Fällen den Truppen-abtheilungen zu Fuß und zu Pferde, zu besondern schnellenZwecken, Artillerie zugetheilt worden war, so mußte diesesdoch, der Schwere des Geschützes wegen, mit doppelterBespannung geschehen.

Gustav's Genie schuf die leichte, oder, da diese be-reits gekannt war, die sogenannte Regiments-Artillerie.Schon im polnischen Kriege wurden die ledernen Kanonen. bei den Schweden eingeführt, welche später (1630) gegeneiserne Vierpfünder vertauscht wurden. Diese, von zweiPferden gezogenen, Geschütze waren 4 Fuß oder 16 Kali-ber lang, wogen 625 Pfd., und konnten drei Mal abge-

i) Harte's Leben Gustav Adolphs.