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1 (1824) Erster Theil: Taktische Geschichte der Artillerie / von W. von Grevenitz
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feuert werden, ehe man mit der Muskete solches ein Malzu thun vermochte. Jedem Regimente waren zwei Stückzugegeben, welche unter dem Befehle des Regimentsober-sten standen.

Alle menschlichen Erfindungen gehe»/ den Naturge-setzen nach, nur einen stuftnweisen Gang. Betrachten wirdie Einführung der schwedischen Regimentsgeschütze, sosehen wir darin eine der wichtigsten Vervollkommnungendes Gebrauchs der Artillerie, und die erste Stufe der

Artillerie-Taktik.

Ursprünglich waren diese Regimentsgeschütze bloß zumKartätschfeuer bestimmt, welches zwar schon früher, alleinnoch nicht in der Feldschlacht, bekannt war. Man be-diente sich bis dahin der Kartätschen bloß in den Streich»linien der Festungen, und zur See beim Entern. Baldwurden indeß auch diese Kanonen zum Kugelfeuer ge-braucht.

Das langsame Laden mit der Ladeschaufel verhinderteden beabsichtigten Zweck eines raschen Kartätschftuers,daher wurden bei diesen leichten Geschützen die ersten Kar-tuschen eingeführt. Diese bestanden Anfangs aus dünnen,von Holz gedrehten Röhren, später aus grober Leinwand,an welchen die Kugel durch einen Eisendrath befestigt war;eine Einrichtung, welche erst viel später auf alle Feldge-schütze überging.

Es scheint beinahe unglaublich, wenn man auch denGebrauch und Nutzen der Kartuschen schon zu jener Zeitkannte, daß doch die Oestreichs sich noch in der Schlachtbei Mollwitz (1741) der Ladeschaufel bedienten *).

Im Allgemeinen war man um das Jahr 1630 schonvon der gevierten Stellung abgegangen, und die Infanteriestellte sich in zehn Glieder, doch focht Tilly bei Leipzignoch nach alter Weise, und wurde geschlagen.

1 ) Unterricht des K. K> Oestreichischen Bombardier-Korps.