Buch 
1 (1824) Erster Theil: Taktische Geschichte der Artillerie / von W. von Grevenitz
Entstehung
Seite
46
JPEG-Download
 

46

fanden sie bei Lützen in einer neuen veränderten Gestalt,und bei Malplaquet auf der höchsten Stufe in dieserPeriode.

So groß die mehrmals genannten Feldherren nachGustav in ihren Kombinationen waren, schufen sie jedochnichts Neues; sie erweiterten nur das von Gustav eröffneteGebiet. Im spanischen Erbfolgekriege verloren sich dieStellungen in sechs Gliedern, die Pike gänzlich, und dieArtillerie ward ansehnlich vermehrt. Wenn wir nun dieArtillerie in einem größer» Wirkungskreise in den Feld-schlachten gesehen haben, so hatten auch im Laufe dieserPeriode mancherlei Abänderungen in ihrem Materiellen undPersonellen statt gefunden. Besonders hatte sie in Frank-reich die wichtigsten Fortschritte gemacht, und war derdeutschen Artillerie voraus, wenn gleich die Regimentsge-schütze bei den Franzosen noch nicht eingeführt waren, undsie den Gebrauch der Haubitzen erst 1693 durch dieSchlacht bei Neerwinden kennen lernten, doch erst vielspäter einführten.

Frankreich errichtete schon 1671 ein Artillerieregiment,und bestimmte durch mehrfältige Verordnungen die Gradeund Pflichten der Artillerieoffiziere, während in Deutsch-land am Ende des siebenzehnten Jahrhunderts Büchsen-meister und Feuerwerker zwar schon in Kompagnien getheiltwaren, aber noch keine eigentliche Waffe oder Korps bil-deten, sondern zum Dienst der Festungen im Frieden indiesen zerstreut lagen.

Nebst den Artillerieschulen, welche Frankreich bereitsseit 1690 besaß, von denen sich in Deutschland am Endedieser Periode (1740) noch keine Spur findet, hatte diefranzösische Artillerie in den Llsmoireg de St. Remy,deren erste Auflage schon 1697 erschien, ein vorzüglichesHandbuch, welches alle Gegenstände der Artillerie umfaßte.Die deutschen Artilleristen beschäftigten sich zu jener Zeitin schwülstigen Folianten meistens mit der Eintheilung