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an. Bis zu dieser Zeit fiel fast immer die ganze Artillerieeiner geschlagenen Armee in die Hände der Sieger. Hierfindet sich das erste Beispiel, daß, obgleich die Artillerieder Franzosen bis zur Erstürmung der Retranchementsaushielt und gebraucht wurde, sie dennoch nur 8 bis 9Kanonen den Siegern überließen *).
Gleichzeitig mit diesem Kriege, den Oestreich undFrankreich in Deutschland und Italien gegen einanderführten, sehen wir Karls XII. ritterliche Züge gegen Dä-nemark, Polen und Rußland. Für Artilleristen bieten siekeine neuen Erscheinungen dar; die Russen führten eineMenge leichtes, jedoch eben nicht vorzüglich bedientes, Ge-schütz, und verloren bei Narwa 145 neue metallene Ka-nonen.
Schulenburgs Rückzug verdient bemerkt zu werden;in seinem Berichte führt er als eine Merkwürdigkeit undals etwas Außerordentliches an, daß die Infanterie ohnePiken und ohne spanische Reiter der noch einmal so star-ken schwedischen Kavallerie Widerstand geleistet habe.Diese 4000 Mann Infanterie hatten 4 kleine Feldstückebei sich, welche verloren gingen, weil die Pferde todt ge-schossen waren.
Karls ritterlicher Sinn, nicht sein Feldherrntalcnt,giebt ihm einen Namen in der Geschichte. Schade, daßso viele energische Kräfte ohne höhere Bildung der Kriegs-kunst waren!
Noch einmal trat 1734 der alte Eugen auf demKampfplätze gegen Frankreich am Rheine auf. Der Wie-ner Frieden machte diesem Kriege ohne große Begeben-heiten ein Ende, und mit ihm endete die Periode GustavAdolph's.
In verschiedenen Zeiträumen dieses Abschnitts habenwir die Artillerie auf den Schlachtfeldern aufgesucht; wir
1) Mémoire, Ne Villars. — Histoire de Prince Eugène.