Auffallend ist hierbei die geringe Anzahl der Hau-bitzen, welche doch in Frankreich längst bekannt und ein-geführt waren. In diesen Zeitraum erst fallt in Frank-reich die Einführung der reitenden Artillerie. Diese voneinem Friedrich erdachte Waffe erhielt in Frankreich dieweiteste Ausdehnung durch Napoleon. Sie ward hier nichtbloß ein Theil der Artillerie, sondern als eine für sich be-stehende Waffe in besondere Regimenter gebildet. DieHälfte der Artillerie einer Armeeabtheilung bestand ausreitender Artillerie ' ).
Die französische Artillerie stellte, nach Abschaffung derRegimentssiücke, zuerst ein bestimmtes Verhältniß der Ge-schütze zu den übrigen Waffen fest, und zwar ward sol-ches nicht nach der Anzahl der Bataillone und Schwa-dronen, sondern nach einer bestimmten Anzahl Streiter ge-regelt.
Nach l'Espinasse wurden auf 1000 Mann 3 Ge-schütze gerechnet, nämlich eins in der Linie, eins im Parkund eins in den rückwärts befindlichen mobilen Depots.
Der veränderte Gebrauch der Artillerie setzte auch be-stimmtere Grundsätze über die Anzahl der mitzuführendenMunition zu einem Feldzuge fest, auf jedes Geschütz we-nigstens 200 Schuß, worunter i bis i Kartätschen.Diese Munition war in gleicher Art, wie die Geschütze,bei den Divisionen, im Park und in den mobilen Depotsvertheilt.
Eine der wesentlichsten Verbesserungen zum taktischenGebrauche der Artillerie, welche in fast allen Armeen schonlängere Zeit eingeführt war, fand in der französischenArtillerie keinen Eingang, nämlich die Einführung derKastenprotzen, und dieses möchte wohl einen neuen Be-weis geben, wie schwer Vorurtheile in der Artillerie zubesiegen sind.
1) l'Espinasse's Versuch über die Einrichtung der Artillerie.