Es bedurfte vor Erfindung des Schiefspulvers bei den geringen ÄngrnTsmitteln, ofteiner langwierigen Belagerung, um eine bedeutende Stadt zu bezwingen, und der daraushervorgehende Nutzer; der Befestigungen vermehrte ihren Gebrauch. So lange ihre Her-Stellung selbst die Kräfte des geringen Edelmanns nicht überstieg, vervielfältigten sichdie festenSchlösser beinahe bis ins Unendliche. Sie dienten dem Unterdrückten wie deinUnterdrücker zur Zuflucht. DieRegenten, bei grofseren Hülfsmitteln, führten auch stärkereWalle auf, deren Nutzen durch eine zahllose-Menge bekannter Thatsacheu bestätigt wird.
In der Folge konnte man anf diesen Mauern kein Geschütz anbringen, und erfandzu diesem Behuf die Bollwerke. Es wurden grofse Erd wälle mit lagen, Eiankenund Courtinen erbaut, und mit 18 Eufs dicken Brustwehren versehen, hinter denensich weitläufige Stände für eine zahlreiche Geschützniei , '.ge befanden. So glaubte manalles berathen zu haben. Die Regenten nahmen diese Befestigungsweise ihrer bedeu-tenden Kosten ungeachtet an, und die überall aufgeführten Bauwerke dieser Art be-weisen den Werth, welchen sie auf die Bollwerke legten, so wie die allgemeine Mei-nung von der Nothwendigkeit der Festungen zur Erhaltung der Staaten.
Wenn nun aber die netteren mit den Alten hierüber einerlei Meinung hegten,warum hat sie gegenwärtig nicht mehr allgemeinen Werth"? Die Ursache ist leicht auf-feufmden. Für fest geachtete, zu dem Ende mit grofsern Aufwand erbauete Orte leiste-ten durch die Fortschritte der Angriffskunst und wegen ihrer wesentlichen Mängel nurSchwachen Widerstand; sie erschienen dadurch weniger nothwendig. Dem liegt dieUeberzeugung sehr nahe: dafs sie völlig entbehrlich sind; denn die Extreme berührensich. Vor der Regierung Ludwigs XIV. und während der ersten Jahre derselbenwar die Belagerungsartillerie schlecht bedient, und das Bombenwerfen noch in seinerKindheit. Das Feuer der Festung blieb lange in seiner vollen Kraft, und dauernde'Verteidigungen waren in jenen Kriegen nicht selten. Reizmittel genug zum Festungs-bau!' Der Glaube an ihren Nutzen ward durch keinen Vorwurf der Mangelhaftigkeitgeschwächt; nachdem aber dieser sich gegründet findet,, nachdem die vervollkommteAngriffsart die übliche Befestigungsweise beinahe unnütz gemacht hat, sollte man mitErnst darauf denken, sie zu verbessern. Ist der Nutzen guter Festungen nicht zuleugnen, kann man sich auch nicht genug mit den Mitteln beschäftigen, sie dazuzu machen.
Ich wage sogar zu behaupten, dafs die Festungen, so wie sie gegenwärtig sind,nur von über ihr wahres Interesse nicht genug aufgeklärten Regenten vernachlässigtwerden können. Es wäre allerdings zu wünschen, dafs man sich mit geringerem Auf-wande ein vier- bis fünfwöchentliches Widerstandsvermögen verschaffen könnte; solange es jedoch keine bessern und wohlfeilem Mittel dazu giebt, darf man sich dadurchnicht abhalteri lassen, sondern mufs es als ein notwendiges Uebel ansehen. Festungen,