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Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
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8
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gen alle von Böhmen abhängige Lehen dem Herzoge von Liegnitz zükommen soll-ten, wenn die männliche Linie vori Brandenburg ausstürb'e. Diese Vertrage warenseit der Zeit dürcii die Ueberinacht der Kaiser und die von ihnen angewandten Ge-waltmittel wirkungslos' geblieben! \

Der König von Preussen erklärtö demnach den auswärtigen Ministem zu Berlinin einer Staatsschrift: dafs es keitieswcees seine Absicht svy, die Rechte des HausesOestreich zu schmälern, und die durch'die pragmatische Sanction festgesetzte Ordnungder Thronfolge zu stören. Er wolle LIos das in Besitz nehnVen, was der Wiener Hofseit einem Jahrhundert seinen Voreltern unrechtinäfsiger Weise voreuthalten habe, seyjedoch einem billigen Vergleiche nicht abgeneigt.

Gleich nach dieser Erklärung rückte der König von Preussen, den i6tenDecemberI740, mit einer Arjnee in Schlesien ein, und war den ernten Januar folgenden Jahresschon Meister von Breslau, der Hauptstadt dieser Provinz, während der Kurfürst vonBaiern noch mit Bekanntmachung seiner Manifeste beschäftiget war, und mit Auf-suchung der Mittel, seine Rechte auf eine kräftigere Weise zu unterstützen.

Beide Fürsten hatten also [weder einerlei Gesichtspunkt, noch einerlei In tersa,noch auch gleiche Macht. Noch merkwürdiger war die Verschiedenheit der Kriegfüh-rung beider, so dafs, wenn ihre militärischen Operationen mit Klugheit entworfen seynsollten, sie keirfesweges von einander äbhängen durften. t

Der König von Preussen, dessen Staaten am äulsersten mitternächtlichen Endevon Deutschland liegen, hatte als Nachbar blos den Kurfürsten von Hannover, von derSeite von Magdeburg, zu fürchten, im Fall er sich in Zukunft wider ihn,erklären sollte.Er konnte gerade nach Schlesien marschiren, mit der moralischen Gewifsheit sich da-von Meister zu machen, wenn die Kriegsereignisse ihn begünstigten, weil er in seinemLande keine Diversion befürchten durfte. Schlesiens Lage zwischen den unzugängli-chen Böhmischen' Gebürgen und dei» ohnmächtigen Polen ist so beschaffen, dafs mandarin keine sehr coinbinirten militärischen Operationen" vorzunehmen braucht. Setztman sich an die Ufer der Oder, welche das Land (der Länge nach ungefähr in derMitte) tlieilt, kann uns der Feind nur sehr wenige Bewegungen verbergen. Von derSeite von Polen kann er uns nicht in den Rücken kommen, weil er sich zu weit vonseinen Magazinen entfernen müfste; - von der Seite der Böhmischen Gebürge ist, derRaum so schmal, dafs man immer Zeit und Gelegenheit hat, sich dem Feinde entwe-der in die Flanke, oder in einem vortheilhaften Posten ihm gegenüber zu setzen, wo-bei man nicht nöthig hat seine Armee zu zertheilen, um die Grenzen eines grofsenLandes zu decken. - Endlich läuft man auf keine Art Gefahr, durch eine entfernteDiversion delogirt, und ohne Schlacht geschlagen zu werden. Das wirkliche^ Hinder rBits, welches Friedrich II. überwältigen mufste, waren vier Festungen, Er

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