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Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
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von den Cantonirungen, die ein General souteniren will. In allen solchen Pallenkann es dem Feinde glücken irgendwo durchzudringen, und dann ist jede ausgedehnteArmee verloren, deren Kette durchbrochen ist. Eine verlorne Schlacht hat wenigerTiachtheilige Folgen, weil die Armee beisammen ist und allezeit wieder Hülfsmittel iueich finden kann, wenn sie eine vortheilhafte Position zu nehmen weifs. Der Königmufste also beiNeupergs Ankunft in Schlesien gerade das thun was er wirklich that:seine Armee zwischen der Neifse und den Mährischen Gebirgspässen zusannnenziehn,weil er gegründete Ursachen hatte, auf dem rechten Ufer der Neifse, über welche erbei Sorge gehn mufste, Neustadt und Steinau zu wählen. Er hätte, wenn er vor demFeinde da gewesen wäre, den Zeitpunkt abpassen können denselben anzugfeifen; aberdiefs war nicht rathsam, ehe er nicht wieder über die Neifse zurückgegangen war, weiler keine Festung daselbst hatte, und die ganze Armee aufs Spiel setzte wenn der An*griff auf die Oestreichische Armee mifslang.

Des Königs Absicht, auf die Ankunft des Grafen von Neu per g ganz Oberschle-sien zu verlassen, und diesseit der Neifse eine Stellung zu nehmen, entsprach den.Umständen vollkommen. Aber ist Neupergs Entwurf nicht eben so schön? Errichtete seinen Marsch grade auf die Quartiere der Preufsischen Armee, um sie jenseitder Neifse in ein Gefecht zu verwickeln, und im Fall sie zurückgehn würde, sich ihrauf dem linken Ufer des Flusses entgegenzustellen, ihr den Uebergang zu verwehren.Wäre ihm dieses gelungen, wie es gegen einen weniger thätigen Mann wahrscheinlichWar, so hätte er zu gleicher Zeit die Biokaden von Neifse und,Krieg aufgehoben, sichder Preufsischen Artillerie und Magazine in Ohlau bemächtiget, und. seinen Marsch,nach Breslau würde nichts gehindert haben.

Eine sehr wesentliche Beobachtung über den Marsch des Grafen von Neupergnach Neifse dürfen wir nicht vorbei lassen. A.uf diesem ^Marsche liefs er des KönigsArmee in seinem Rücken. Ein General von eingeschränkteren, von gewöhnlichen Fähig-'Witen, würde sich nie haben einfallen lassen seinem Feinde einen so großen Vorsprungabzuge w i micnj würde lieber mit der Armee stillgestanden haben, um seine Gemein.Schaft mit Mähren und seine Zufuhren zu decken. Der Graf von Neuperg beur-teilte den König ganz richtig, der sich auch durch den kleinen Vortheil, seinem Gegnerden Unterhalt zu erschweren, gewifs nicht würde haben blenden lassen, weil er ebendadurch sich seinen eigenen Unterhalt erschwert hätte, und noch über dies Gefahr ge-rufen wäre Breslau zu verlieren, welches vielleicht den Untergang seiner ganzen

^ rttlee verursacht hätte. Beide Generale irrten sich nicht über das, was sie zu thunhätten -,1 ,

_ d eben dies ist ein Beweis von Genie.

, Köni S' Friedrich II. fühlte die Gefahr, und übersah mit einem Blick alle die ver.üblichen Folgen, welche ilya durch seines Gegners Entwürfe entstehen mulsten.