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Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
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Scheinend auf einige Zeit ihre andern Feinde aus dem Gesichte, thut einen entschei-denden Schlag, und wendet sich dann wieder gegen sie. Es ist ein falscher Wahn,wenn man glaubt, die von dem gemeinschaftlichen Feind verlassene Armee werdeihm auf dem Fufs folgen, und ihn zwischen zwei Feuer bringen. Nächst dem Privat-interesse eines jedeli Aliii ten, das bei einer solchen Gelegenheit gar mächtig wirkt,giebt es noch andere militärische Gründe, welche die Verfolgung des Feindes verbieten.Wenn man einer sich zurückziehenden Armee, die man angreifen will, so nahe folget alshierzu erfordert wird: so wird die verfolgende Armee unfehlbar selbst zuerst angegriffenwerden. Es wird aber niemand gern den Schlägen entgegen gehen wollen, die einemandern zugedacht sind.

Bei einer solchen Verfolgung müfste man sich immer wenigstens zwei bis dreiMärsche zurück halten; man wäre aber .alsdann zu weit entfernt. Ja, es kommt hiebeinoch ein anderer, nicht minder wesentlicher Umstand'in Betracht: die Verwüstung desLandes. Hinter einer sich zurückziehenden Armee findet man weder Unterhalt nochgute Wege. W enn es auch nur wenig geregnet hat, werden diese doch von dem Ge-schütz und Gepäck ganz unbrauchbar gemacht. Es wird demnach öfters, selbst bei dembesten Willen, eine solche nahe Verfolgung ganz unmöglich seyn. Wie. schwer fälltnicht mehrentheils der siegenden Armee nach einer entscheidenden Schlacht, dieArriergarde des geschlagenen Feindes einzuholen? Hieraus läfst sich abnehmen, welchedem gemeinsamen Interesse nachtheilige Irrungen hei der Verbindung'der Bewegungen«liirter Armeen, die einzeln agiren sollen,-entstehen können? Der Krieg, von wel-c ^m hier die Rede ist, liefert Beispiele zu dieser traurigen Wahrheit, die durch tau*Se nd andere, welche uns .die 'Geschichte raller .Zeiten .aufbehalten hat, noch unumstöfs-licher bewiesen wird.

Wenn man aber auchniclit schon aus derinnern Beschaffenheit der nach Baiern gesandten

Franzos: eben Truppen auf einen unglücklichen Erfolg hätte scliliefsen müssen, war auch

Wahl der Operationen, zu denen sie bestimmt waren, so entschieden untergeordnet,

dafs nian vernünftiger Weise nicht den geringsten Nutzen von ihnen -erwarten konnte.

a lles Nachtheilige für sie zu vereinigen, übernahm der Kurfürst seihst den Ober.

Befehl über diese Armee. Wenn auch dieser achtenswertlie Fürst, voll Muth und treff-

Bch fcr Eigenschaften, der erste General des Jahrhunderts gewesen wäre, so durfte man.

x hm dennoch die Führung des Steuerruders in dieser wichtigen Angelegenheit, wobei

selbst zu sehr interessirt war, nicht anvertrauen. Der natürliche Wunsch sich zu

r gröfscrn auf der einen Seite, und die Liebe zu seinen Untertlianen auf der andern,inufsten

k _ n °thwendig diesen Fürsten in einen beständigen Widerspruch mit sich seihstE eiJ , sobald es auf Eroberung öder Erhaltung ^nkam. Dadurch wurderi öfters diegut berechneten .Operationsplane verdorben. Der unglückliehe Bairische Krieg

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