/
44
«
„Wö sich irgend dergleichen findet, mufs man es bei seiner Schätzung berücksich-tigen, und diese lieber zu grofs als zu geringe machen: weil die Stärke der Besatzung„und die Menge der nötlrigen Munition von ihr abhängen; damit man in keiner Art„Mangel leidet.“
6) „Diese Berechnung ist allerdings kurz, und die Dauer der Belagerung könnte„höher angeschlagen werden; allein, die Verwundeten und Verläufer sind einem Auf-enthalte von 8 his io Tagen gleich zu setzen, wen» sonst mit den Vorräthen sparsam„umgegangen wird.“ •
Diese Grundsätze über die Widerstandsdauer einer Festung gibt ihr Unlieber kex-uesweges für allgemein aus; sondern er bezeichnet diejenige Festung genau, für welcheeine solche, auf Erfahrung gegründete Berechnung gelten kann. Es ist hier blosvon einem Secksec.lt die Rede, mit der ausdrücklichen Bemerkung: dafs man bei einer
andern auf jede Verschiedenheit — läge sie auch nur in der Umgegend _Bedacht
nehmen uncl eine längere Vertheidigung voraussetzen mufs. So bleibt Vauban inseinen Grenzen, und. behauptet nicht, von allen den Festungen Belagerungsjournalezu haben, deren Angriff er geleitet hat. Noch weniger begründet er auf jene Tage-bücher einen Maafsstab, um alle Festungen künftiger Jahrhunderte darnach zubeurtheilerr.
Ein Fürst weifs z. B. dafs er die Grenzen seines Reiches durch Festungen sichernmufs. Die, welche dem Feinde nur 15 bis 20 Tage Widerstand leisten kann, wie esbei vielen der Fall ist, kommt mit zwei Millionen sehr hoch zu stehen, in Verglei-ckuug einer andern Festung, die zwar 4 Millionen kostet, aber 40 Tage widerstehet.Sie ist noch theuerer als eine andere, die bei 10 Millionen Baukosten sich aoo Tagelang halten kann. Ihr Verhältnis wäre nach jenem Mafsstab:
¥ = 10, und ytf = 20.
So giebt jener unrichtige Maafsstab der zweiten einen der ersten gleichen Werth*obgleich ihr Widerstand das Doppelte von jeijer ist; die dritte endlich bekommt bei ei-nem zehnfachen Widerstande nur einen doppelten Werth. Diese aber wäre-für denP«egenten unschätzbar: denn sie wülde den Feind einen ganzen Feldzug hindurch be-schäftigen, und gäbe Gelegenheit, sein durch die lange Belagerung erschöpftes Heermit Vortheil anzugreifen. Sie hätte vielleicht schon ganze Provinzen gegen Plünde-rungen, Verheerungen und gegen alle Schrecken des Krieges geschützt. Jene Verhee-rungen erhalten eben dadurch eine um, so gröfsere Wichtigkeit, dafs sie nicht nur demPvegenten auf mehrere Jahre die Einkünfte seiner Provinzen rauben, sondern ihn selbstzwingen, sie aus seinem Schatz zu unterstützen. Hieraus erhellet: dafs bei jeder Festungihre möglichen Wirkungen vorzüglich zu berücksichtigen sind.
Ich werde hier der Baukosten nicht erwähnen, die man blos in Verhältnis zu ei-