Buch 
Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
Entstehung
Seite
8
JPEG-Download
 

Ich konnte mir nicht versagen, die Erinnerung an jene merkwürdigen Thaifitfzu wecken, und den bewundemswerthen Mann zu ehren der sie verrichtete Nichte,kann wohl mehr Ehrfurcht einflöfsen, als so grofse kriegerische Talente, mit denen dieNatur nur zu karg ist. Welcher Abstand zwischen eifern solchen Heerführer und dengewöhnlichen Befehlshabern, deren geringster Fehler Unwissenheit ist, Eigendünkelverblendet sie, und Furcht, die Tochter der Unfähigkeit, macht sie unthätig* Bei bloSgleicher Stärke gehen sie beständig vertheidigungsweisg, lassen dem Feinde völlig freieHand, um sich picht zu kompromittiren. Sie machen zwecklose Märsche, ziehen sichohne Noth zurück, und ihre Bewegungen sind ohne Genauigkeit und Absicht, IhreFehler wissen sie durch vorgegebene Hindernisse zu beschönigen, und sie fuhren de»Feldzug zu einem glänzenden Ende, sobald sie nur nicht geschlagen worden sind. Siehaben jedoch immer ein wesentliches Verdienst,, gegen die gehalten die nur sich schla-gen zu lassen verstehen: denn diese sind eine Geifsel der Nationen, die sie ruinirenund schänden. Es ist ein Unglück für die Regenten die sie nicht kennen, nochSchlimmer aber ist es, wenn jene sie kennen und doch gebrauchen. Ludwig XlViläfst sich schwer, weder gegen den ersten, noch gegen den zweiten Vorwurf verthei»digen.

Der Feldzug von 1675 war für Frankreich durch den Tod des Marschais Türen*ne sehr unglücklich. Er ward, vier und sechzig Jahr alt, am 27. Juli durch eine Ka*nonenkugel getödtet. Wie viel wichtige Dienste hätte er nicht noch dem Staate leistenkönnen! Der Graf vo.f Lorges und der Marquis von Vaubrun konnten seine Ar-mee blos über den Rhein zurückführen. Montecuculi verfolgte sie und griff siehei Altenheim an; der Vortheil war auf beiden Seiten ziemlich gleich, und blos derMuth unsrer Truppen rettete sie von einer gänzlichen Niederlage. Sie reiheten sichvon seihst in Schlachtordnung und manoeuvrirten so gut, dafs sie nach dem Treffenüber den Rhein giengen, ohne von dem Feinde gehindert zu werden. Montecuculigieng bei Strasburg über den Rhein: und der Prinz von Conde ward ihm entgegengeschickt, der ihn auch wirklich nöthigte, die Belagerungen von Hagenau und Zabernaufzuheben, und über den Rhein zurück zu gehen. Es war dieses der letzte Feldzugdes Prinzen, mehr wegen der steten Unannehmlichkeiten welchen er durch die Eifer-sucht des Ministers ausgesetzt war, als wegen der Gicht, wie man glaubte. *)

Alle folgenden drei Feldzüge gaben Gelegenheit zu Eroberung mehrerer Festun-gen; die Generalstaaten sahen sich dadurch genöthiger, mit Emst an den Frieden zu

denken.

Wie Louvois die Feldherr« behandelt^, erhellet besonders aus den Lef tres et Memoire» du IVIa-rech. de Turenne. 2 Vol. in l'ol. Dem grofsen Manne fehlte cs gewöhnlich immer an allemUnentbehrlichen für seine Soldaten. Anmerk. d. Uebers.