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Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
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denken. Merkwürdig ist, date auch Ludwig XIV ihn mit Ungeduld wünschte. Un-empfindlich gegen alle Vergröfserung, sähe er seine Fortschritte in den Niederlanden,gleichgültig an. Monsieur hatte 1677 den Prinzen von Oranien bei Mont-Casselgeschlagen, Crequi hatte Freiburg erobert, und es fehlten nur noch wenige Festungenum Herr der ganzen Niederlande zu seyn. Es war kein Zweifel, dafs man im nach,sten Feldzaige auch diese noch-erobern würde. Was hatte er dabei zu fürchten? GanzEiuropa aufzuregen? Würde er es durch Aufopferung noch gröfserer Vortheile nichtbesser beruhiget haben ? Der Kaiser, der Prinz von Oranien, der König von Spanienwaren den Unterhandlungen entgegen: der König durfte sie blos gewähren lassen, unddie Niederlande waren sein. Das Englische Volk drohete sich gegen ihn zu erklären:Sein König aber war dagegen; zudem ist England nur in sofern zu fürchten,als es Vermittelst seiner Subkidien andere grofse Mächte für sich be-waffnet Sie standen schon alle gegen Frankreich, und die Masse seiner Feindekonnte nicht mehr vergröfsert werden. Ludwig XIV aber wünschte den Frieden,vielleicht weil er schon acht Jahre lang Krieg führte. Er -wollte Hollands verlohrnesZutrauen wieder gewinnen und schrieb deshalb 1678 selbst an die General - Staaten: ersey bereit, ihre Wünsche in Hinsicht des Handels zu erfüllen, und überhaupt alle demFrieden im Wege stehenden Schwierigkeiten und Bedenklichkeiten zu beseitigen.

Hatte er einen grofsen Fehler gemacht, Holland anzugreifen, blos in der Absichtes zu demüthigen: begieng er keinen geringeren, indem er so dringende Neigung zumFrieden zeigte und so viel für denselben aufopferte. Er gab dadurch zu erkenne»dafs ihn die Beschwerden des Krieges bald ermüdeten, und dafs andere Neigungen inihm noch mächtiger herrschten. Wirklich beraubte ihn seine ungezähinte Prachtliebestets der Hilfsquellen zum Kriege, und er zeigte sich als einen ehrgeizigen aber garnicht furchtbaren Fürsten,

Der auf der einen Seite eben so ersehnte, als auf der andern gefürchtete Friedewäre beinahe, im Augenblick der Unterzeichnung wieder gebrochen worden. Der Zeit-punkt der Zurückgabe der eroberten Festungen an Spanien war in den Präliminariennicht bestimmt worden, und der König von Frankreich wollte sie nicht eher herausge-ben, bis Schweden das ihm genommene wiederbekommen hätte. Dieses unerwarteteVerlangen schien allen theilnehmenden Mächten hinterlistig: vorzüglich war Englanddarüber aufgebracht, und schlofs durch den Ritter Temple (der ein Feind des Frie-dens und dem Prinzen von Oranien sehr ergeben war) mit den Generalstaaten einBündnifs:dafs Holland den Krieg fort setzen und England ihn sogleich an Frankreich»erklären wolle, wenn der König nicht vor dem 11. August die Festungen an Spanienzurückgäbe.

Dritter Baad,

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