Buch 
Die Verteidigung stärker als der Angriff, oder Die Befestigung mit rechtwinklicher Bestreichung / Marc René Montalembert ; aus dem Französischen von J.G. von Hoyer
Entstehung
Seite
87
JPEG-Download
 

87 -

Dem Herzog voi Savoyen war nicht allein die bevorstehende Belagerung, son«dem auch die im grofsen Kriegsrath bestimmte AngriiTsseite, die Citadelle, begannt.Er eilte deshalb, diese schon an sich starke Fronte durch Contregarden vor den Boll-werken, durch Lünetten, einen zweiten bedeckten Weg, und durch Minenanlagen zuverstärken, die weit unter dein Glacis vorlrefen. Die Stadt hatte bei einem weiüäufti-gen Umfange sechzehn unregelmafsige, schlecht' vertheidigte Bollwerke. Auf der Seitegegen die Doire hatte sie blos einen einfachen bedeckten Weg, ohne alle Minen«Hier war demnach die schwächste Seite der Festung zu suchen; da itn Gegentheile dieCitadelle so stark war, als .es nur irgend eine Festung mit Bollwerken seyn kann. DreiUmfassungen mufsten vorher erobert werden, ehe man den Hauptwall antasten konnte,und alle drei erforderten wegen, ihres kleinen Umfanges nur wenige Vertheidigungsmit-tel. Die Befestigung war dabei so rasirend, dafs die Brustwehren der Aussenwerkesich in denen des Hauptwalies verlohren. Ein nicht genug zu schätzender Vortheil!Fünfhundert Kanonen, gegen solche Werke aufgestellt, können blos die Brustwehrenoben streifen. Die Wälle bleihen unverletzt; sie-sind nur allein durch Breschbatte-rien auf dem Kamme des Glacis und auf dem Grabenrande geöffnet worden. End-lich gab dies hohe Terrain vor der Citadelle Gelegenheit, nach allen Richtungen Mi-nengänge vorzutreiben. Der FI erzog von Fecrill a de bewies' durch die Wahl die-ses Angriffspunktes, dafs er'gar nichts davon verstand. Auch blieb es nicht bei die-sem Fehler, wie man im Laufe der Belagerung leicht ccahrnehmen wird.

Er versammelte seine Armee am 12, Mai 1806 bei Chivas, schlug noch dessel-ben Tages bei la Vanerie Lager, und liefs am 14. die Circumvallationslinien anfan-gen, wozu er 8000 Pioniere anwandte, die sich bei der Armee befanden. Die Lauf-gräben wurden jedoch erst in der Nacht vom 3 . bis zum 3. Juni eröffnet, und die Ar-beiten daran fortgesetzt, ohne die Festung völlig eh;geschlossen zu haben. Die Ca-puzinerhöhe, auf der andern Seite des Po, blieb über einen Monat unbesetzt. Da-durch erscheinet das 4 m Namen des Königs dem Herzog von Savoyen gemachte An-erbieten, ihn mit Pässen für die noch in Turin anwesenden Prinzessinnen zu verse-hen, als sehr sonderbar. - Der Herzog antwortetet dafs er keine Pässe bedürfe, weildas Po-TUor noch offen sey. Er schickte jedoch am 16. seine Familie aus Turin nachQuierasco: weil er besorgte, la Fe ui 1 La d e möchte endlich doch die Capuzinerhöhebesetzen, um die Stadt auch auf der anderen Seite des Po einzuschliefsen. Tages dar-adf gieng er für seine Person ebenfalls nach Montcarlier, wo er seine Kavallerie,3000 Pferde, stehen hatte.

Der Herzog von la Feuillade folgte ihn’ mit 18 Bataillonen und 50 Schwadro-nen dahin nach, den Genetallieutenant Chamarante mit 5 ° Bataillonen und 130Schwadronen zu Führung der Belagerung zurücklassend. Der Herzog von Savoyen