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ken Ufer, bei VaTentino, zu bedrohen. Unsere Laufgraben, würden mehr Truppen zuihrer Besetzung erfordert haben; und der Feind konnte die Stadt schon am 5. anstattdes 7. entsetzen, wahrend er im Falle eines widrigen Erfolges ungestört am Pc hin-auf seinen Rückzug nach dem Piemontesischen ausführen konnte. Bei dem Angriffezwischen den beiden Flüssen hingegen war der Feind ohne Rettung verlohren, trenner geschlagen ward. Er hätte sich mit Gewalt den Uebergang über die Dora bahnenmüssen, wozu eine geschlagene Armee eben nicht sehr geschickt ist. Diese Betrach-tungen allein, nicht aber der zufällig glückliche Erfolg, dürfen, über den Werth desEntschlusses des Prinzen Eugen entscheiden.
Jetzt ist noch zu untersuchen: ob -wir aus unseren Linien hervorgelien, oder aberden Angriff in ihnen erwarten sollten? Wir thaten das letztere, und wurden geschla-gen; das ist vielleicht der einzige Grund zum Tadel, Die Belagerung einer Festungwie Turin, ist eine der wichtigsten Kriegsverrichtungen, welche grofse Kenntnisse, einescharfe Eeurtheilung und Einsicht erfordert. Wer anders davon urtheilet, verstehet esnicht. Schon die Führung der Belagerungsärbeiten hat-ihre Schwierigkeiten; wenn esaber darauf ankommt, sich auf der einen Seite gegen eine starke und eülschlosseneBesatzung zu vertheidigen, und auf der anderen den Angriff einer Armee zurück zuweisen: dann wird die Wahl der Mittel schwer. Zwei Hauptzwecke darf man dabeinicht aus den Augen verliehren: den Feind zu schlagen, und das Hereinkommen desEntsatzes zu hindern. Um die letztere Absicht zu erreichen, mufs man sich so naheals möglich an der. Festung halten. Entfernt man sich davon: kann man durch die,sich in die Festung werfenden Truppen umgangen werden, wenn man sie nicht durchein hinreichend starkes Corps eingeschlossen hält. Dazu sind aber zwei Armeen er-forderlich: Eine zur Belagerung, und die andere zu Beobachtung .des Feindes, undhat man nurEine, darf man sie wohl theilen, um den doppelten Zweck zu erreichen?Ist Ein Tiieii geschlagen, was wird aus dem anderen? Der Entwurf für den Feldzugin Italien überstieg die von dem Könige dafür bestimmten Mittel, weit; einmal, weilder Kaiser weit stärker auftrat, als in den vorhergehenden Jahren: und dann zweitens;weil die Belagerung von Turin allein eine gröfsere Armee erforderte,, als die beiden,in Piemont und im Mailändischen stehenden, zusammen genommen waren. Einegrofse belagerte Stadt erheischet ein starkes Beobachtungscorps, und eine blos für dieBelagerung bestimmte Armee. Die Circumvallationslinien sollten blos den Matigel desersteren ersetzen. Unrecht war es allerdings, dafs man sie nicht stärker machte; allein,dieser Fehler liegt im Systeme selbst, nur dafs sie bei Turin an marichen Orten blosangefangen waren; Bei dieser Lage der Dinge war e* irrt der That schwer, sich zuentscheiden. Sollte man dem Feinde entgegen gehen? und wie stark sollte dies gesche-hen? Gegen 12000 Milizen liefsen sich jenseits des Po sehen; sowohl gegen diese als
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