93
zu Besetzung der Laufgräben mufsle inan eine bedeutende Truppenzahl zurück. lassen:denn in der Stadt standen 12 Bataillone, .400 Grenadiere und 500 Pferde, mit sechsKanonen zu einem Ausfälle bereit, um den Angriff des Prinzen Eugen zu unterstüz-zen. Wäre das Treffen übel ausgeschlagen, würde der Eutschlufs dazu als unbeson-nen getadelt worden seyn. Die Armee hatte kein Brod: man mufste die Zufuhresicher an sich ziehen; man mufste, ohne einen Augenblick Zeitverlust, an den .Ver-schanzungen zwischen den beiden Flüssen arbeiten; mufste zwei Linien Infanterie undKavallerie dahinter stellen: mufste mehrere Brücken über die Dora schlagen lassen;mufste endlich eine starke Reserve bereit haben, um nach Erfordern über diesen Flufszu gehen. Der Prinz Eugen würde sich schlecht hei seinem Eindringen in die Cau-dinxsche Gabel befunden haben; würde ohne alle Rettung geschlagen worden seyn.Man nehme sich die Mühe, seine Stellung auf einer genauen Karte zu untersuchen,und man wird finden, dafs alles hier Behauptete zu den wahrscheinlichsten^ Dingengehöret.
Der Herzog von la Feuillade hatte nie an die Möglichkeit gedacht, der Linienbedürfen zu können; sie waren deshalb auch mit äufserster Nachlässigkeit erbauet. Erwälinte die Stadt mit der gröbsten Leichtigkeit erobern zu können, weil er viel Ge*schütz und viel Munition hatte; er war daher auf nichts von dem allen vorbereitet,-was wirklich geschähe. Dennoch -würden die Linien mit der gröfsten Tapferkeit ver-theidiget. Acht- bis zehntausend Mann waren nicht hinreichend, den ganzen Raumzu besetzen; ihr rechter Flügel reichte nicht bis an den Flufs. Der hingegen 40000Mann starke Feind — der auf allen Punkten zurückgeschlagen worden war, — he* ,merkte es, und warf eine Infanterie-Kolonne in die Oeffnung, der beinahe die ganzeKavallerie folgte, und den Brigaden, welche die Verschanzungen vertheidigten, inFlanke und Rücken fiel. Man mufste endlich weichen. Der Herzog von Orleansward verwundet und der Marschai Marsin blieb. Herzhaftigkeit ist bei d£n Anfüh»rern nicht allein genug; sie müssen Kopf haben, müssen ihre Anordnungen mit Ver-stand machen und mit Ruhe ausführen.
Diese erste Niederlage war dennoch nicht ohne Hülfe* Wir hatten nur 2000Mann verlohnen; man sollte von den Truppen, welche in den Linien zwischen derDora und dem Po standen, einen Th eil längs dieses Stromes aufstellen, und einen an-deren Theil über denselben gehen lassen. Zugleich mufste Herr von Allergotti^der mit 20000 Mann auf der Gspuzinerhöhe stand, eine Abtheilung an das Ufer derStura schicken, um den Feind hier zwischen ein kreuzendes Feuer zu bekommen, undihn — in der Verwirrung, worin er sich nach dem hitzigen Gefechte befand — mitfrischen Truppen anzugreii'en. Sollte der Feind sieb nun völlig nach Turin hinein-werfen: würde der Hunger in wenig Tagen die Stadt und die Armee zur Uebergabe