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Schutzes im Vergleich zum gusseisernen lässt sich bei den durchWindungen von Bändern erzeugten Geschützen dadurch ver-mindern; dass man zu den Stäben, die die Seele bilden, hartesStabeisen nimmt. Jedenfalls ist aber das weiche Stabeisen im-mer noch härter als das Geschützbronze, und es hat dabei denVortheil, dass man es beliebig hart und für alle Kaliber gleichhart wählen kann, während die Härte des Bronze schwer zumodiflciren ist, und die grossem Kaliber, die gerade der gröss-ten Härte bedürfen, meist viel weichere Seelenwände haben alsdie kleinern Kaliber. — Auch das llosten, das hier allerdingsstärker wirkt als beim gusseisernen Geschütz, halten wir nichtfür so bedeutend, dass es den Gebrauch der wirklich fehler-freien geschmiedeten Röhre misslich machen könnte. WennEinige den Flintenlauf als Beweis anführen, wie leicht einesolche Waffe rostrein zu erhalten, so ist diess wohl allerdingsdie Sache zu leicht genommen, denn ein anderes ist ein we-nige Pfund schwerer, hinten durch eine Schraube zu öffnenderLauf, und ein schweres verschlossenes Kanonenrohr. Aber beieiniger Vorsicht bei der Aufbewahrung und gehöriger Reini-gung nach jedesmaligem Schiessen wird sich der Rost nichtfestsetzen, und einige kleine Rostflecken sind von keiner Be-deutung; übrigens sahen wir oben, dass selbst Jahrhundertelang auf den Wällen gelegene Röhre dieser Art nicht wesent-lich angegriffen waren.
Jedenfalls bedürfte aber die Anfertigung schmiedeeisernerGeschütze immer noch sehr langwierige und. kostbare Versu-che; im Falle des Gelingens würde man jedoch keine sehrwesentlichen Vortheile erreichen, denn diese Geschütze würdennicht viel wohlfeiler werden als die bronzenen, und sich immerviel leichter durch Ausbauchungen, so wie durch Anschlägeund Oxydation eine Vergrösserung des Spielraums und Unre-gelmässigkeiten der Seele erhalten, als das gusseiserne. Vordiesem würden sie allerdings die Vorzüge haben, leichter ge-macht werden zu können und nicht unerwartet zu springen.Von dem ersten Vorzüge kann aber die Artillerie bei ihrer heu-tigen Laffetirung nur geringen Nutzen ziehn, und das Springendes gusseisernen Geschützes Hesse sich bei einiger Kultivirungder Giessprozeduren gewiss völlig vermeiden.