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artillerie im Jahre 1850 und bei der bayerischen Artillerie imvorigen Jahre bereits mit der Bewaffnung von Kurzgeweh-ren Versuche angestellt worden, deren günstigen Resultate fürdie Annahme solcher Bewaffnung alle Hoffnung geben.
Alle Erfahrungen sind darin übereinstimmend, daß das aufdem Rücken hängende Gewehr dem Artilleristen weder amMarsche noch bei seinen Funktionen am Geschütze hinderlich ist;und er braucht damit weiter nichts, als wie bisher die ge-wöhnlichen Handgriffe für den Garnisonsdienst und das Schie-ßen auf nahe Entfernungen zu üben, um davon im ErnsteGebrauch machen zu können.
Die von Manchem, dem die schon seit mehr als einemhalben Jahrhunderte in der französischen Artillerie bestehendeBewaffnung mit kurzen Feuergewehren unbekannt ist, aufge-tauchte Meinung, daß sich dann der Artillerist nicht mehr aussein Geschütz verlasse, sondern zu früh zur Handfeuerwaffegreifen werde, kann nur bei einer schlechten Artillerie Geltungfinden, wie es auch schon von schlechter Infanterie vorgekom-men ist, daI dieselbe die Gewehre wegwarf und zum Säbelgriff. Bei guter Artillerie, welche der Kommandirendein der Hand hat, kann solches nie vorkommen,'denn sieweiß, daß nicht das Gewehr, sondern das Geschütz ihre ei-gentliche Waffe ist. — Die Pistole ist als eine zu unsichereFeuerwaffe bekannt, als daß sie einem zu Fuß Fechtenden Per-trauen einflößen könnte, der nicht wie der Reiter in der Ver-fassung ist, sich augenblicklich der drohenden Gefahr zu ent-winden. Darum ist ein Knrzgewehr die für die Fuß-artilleristen zweckmäßigste Bewaffnung.
Was das Seitengewehr anbelangt, so ist dem Fußartille-risten bei seinen Funktionen ein über die Schulter hängenderSäbel sehr hindernd. Er kömmt ihm oft zwischen die Füßeund schiebt sich beim Bücken stets vor die Mitte des Körpers,so, daß immer eine Hand damit beschäftiget sein muß, ihnwieder an seinen Ort zu schieben. Das Seitengewehrmuß unverrückt an der linken Hüfte bleiben, wasnur durch einen über die Lenden laufenden Gürtel zu bewerk-