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Die Organisation und die Leistungen der Feldartillerie : eine Zeitfrage für alle Heere / von einem süddeutschen Artillerie-Offiziere
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und der Kavalerie die schon anfangs beabsichtigte Umgehungdes linken Flügels. Auch in der Schlacht bei Temcs-vär (1849) erkennt Hahn au nur in dem kräftigsten Ge-brauche seiner Artillerie in Masse das einzige Mittel zurschnellen Entscheidung des Sieges. Schon gleich nach denersten Einleitungen des Gefechtes zieht der österreichische Feld-herr seine Geschützreserve in die Schlachtlinie vor und placirtals erstes Treffen 108 Geschütze auf und neben den domini-renden Höhen von Bessenova, welche ihr Feuer gegen dieMitte der feindlichen aus 120 Stücken bestehenden Geschütz-linie richten, und diese nicht nur zum Stehen, sondern auchbald zum Schweigen bringen, während der Fürst Lichten-stein mit 4 Batterien der Division des Generalmajors Her-zinger von Szent Andräs aus in die rechte Flanke des Fein-des bis an den Nyäradbach vorrückt und dessen dort vor-geschobene Batterien dergestalt wirksam enfilirt, daß dieselbenschon nach den ersten Schüssen abziehen. Nun eilen die36 Piecen der Geschützreserve unter Führung des Artillerie-Majors Schmidt aus dem Centrum des ersten Treffens, mitden Kavaleriebatterien voran, ohne Aufenthalt gleichfalls bisan den Bach vor, ihnen folgt von der übrigen Artillerie nachden beiden Flügeln der unermeßlichen Geschützlinie hin, imVorrücken chargirend, Batterie um Batterie bis an den Ufer-rand dieses Baches, und die zum Angriffe bereit gestandenenfeindlichen Jnfanteriemassen werden zum eiligsten Rückzüge ge-bracht. Der österreichische Berichterstatter schließt seine Rela-tion über diese Schlacht mit den Worten:Es gebührt da-her der Artillerie aller im Kampfe gestandenen österreichischenHeerestheile, sowie jener der russischen Division Panutin, dasgroße Verdienst der Entscheidung."

Solche lehrreiche Beispiele beweisen, daß das Auftretenvon Artilleriemassen nicht, wie Viele irrthümlich glauben, stetsbis zur Anwendung der ganzen Reserve ausgespart werden muß;sie zeigen vielmehr, daß ein solches entscheidendes Auftretenin jedem sich dazu günstig darbietenden Momente während desKampfes verlangt werden kann. Denn wir sahen bei Groß-