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Wenn man indeß die Vertheidigung mit einer offensiven Be-, wegung verbinden kann, setzt man den Feind größeren Ge-fahren aus, als er das angegriffene Korps."— Clause-w i tz drückt sich über diesen Punkt folgendermaßen aus: „ DieWirksamkeit einer Festung ist aus zwei verschiedenen Elemen-ten zusammengesetzt, dem passiven und dem aktiven. Durchdas erste schützt sie den Ort und Alles, was in ihm enthal-ten ist, durch das andere übt sie einen gewissen Einfluß aufdie, auch über ihre Kanonenschußweite Hinausreichende Umge-gend. Dieses aktive Element besteht in den Angriffen, welchedie Besatzung auf jeden Feind unternehmen kann, der sich bisauf einen gewissen Punkt nähert." — Blesson bestätigetdiese Maximen durch seine Vorwürfe, welche er in seiner am27. November 1846 in der militärischen Gesellschaft zu Ber-lin gehaltenen Vorlesung über die Belagerung der Citadellevon Antwerpen dem General Chassee machte, das ihmdurch seine brave Besatzung zu Gebote gestandene Offensiv-Element nicht besser in Anspruch genommen zu haben. —Hoher will nur bei Berg-Festungen mit blos Einem Aus-gange, wegen der leichten Möglichkeit des Abschneidend desRückzuges, das Offensiv-Element außer Anwendung wissen.—Willisen behauptet: „Die ganz enge, beständige Defensiveendigt immer mit der Niederlage." — Dieses Alles saßtKamptz in seinem, vom rein artilleristischen Standpunkte ausgeschriebenen Werke: „Die Vertheidigung der Festungen" indem Grundsätze zusammen: „In der Vertheidigung, wie inallen übrigen Kriegsfällen, ist jeder Entwurf fehlerhaft, derdie Offensive ausschließt." — Als eines der lehrreichstenBeispiele aus der Neuzeit über die Befolgung dieses Grund-satzes durch eine vielseitige Benützung des Offensiv - Elementesund über die daraus erwachsenden günstigen Erfolge in einemDefensiv-Zustande, kann unstreitig die von dem energischenfranzösischen General Graf Rapp geleitete Vertheidigung vonDanzig (1813) angeführt werden; unfehlbar mußte solchesmit beitragen, die feindlichen Operationen gegen diese Festungaus fast ein volles Jahr verlängert zu haben. —