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2 (1824) Zweiter Theil / von W. von Grevenitz
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brauchten sie nur Fußvolk; Kavallerie und Artillerie hattensie nicht zu schaffen vermocht; letztere besonders läßt sichaugenblicklich weder schaffen noch bilden. Die Schule derErfahrung ist allerdings für die Artillerie ein nothwen-diges Erfordcrniß; aber diese Schule trägt nur Früchte,wenn sie mit der Theorie Hand in Hand, diese der Er-fahrung vorangeht.

In der ewig denkwürdig bleibenden neuern großenpreußischen Zeit der Jahre 18! Z geschah fast das unmög-lich scheinende in Organisation der Artillerie. Unter 42,600Mann der damaligen Armeestärke zählte man fast 6000Artilleristen. Dieser Rahmen war nicht unbedeutend.Außer dieser Linien-Artillerie waren noch eine große An-zahl sogenannter Artillerie-Krümper im Lande beurlaubt,und es darf auch nicht übersehen werden, daß eine andereAnzahl noch äußerst rüstiger bereits verabschiedeter Ar-tilleristen sich im Lande befanden, und für alle Chargenzu Gebote standen. Auf solche Leute ist aber bei langedauerndem Frieden gar nicht mehr zu rechnen.

Der Rahmen der Artillerie eines Staates muß be-sonders an Offizieren nicht zu schwach seyn. Es mußnicht allein der Bedarf für die Fcldbatterien in Betrachtgezogen, sondern auch berücksichtigt werden, was zur Be-setzung der Feld-Munitionsdepots, der festen Plätze, derBelagerungstrains erfordert wird. Wo man hierauf nichtRücksicht genommen hat, wird bei einem ausbrechendenKriege fast eine neue Schöpfung, eine neue Orga-nisation nöthig.

Wo sollen dann Offiziere und Unteroffiziere herkom-men? Bei einem nur irgend hartnäckigen Kampfe werdenLücken entstehen, die nicht augenblicklich auszufüllen find.Ward nicht selbst im Frühjahre 1814 bei der preußischenArtillerie der Mangel an Offizieren, besonders aber anirgend brauchbaren Unteroffizieren bereits fühlbar? Mußtennicht aus Mangel an Bedienung mehrere Batterien im