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hm und beurtheilen, wie viel Zeit erfordert wird, mit ei-ner Batterie das Hinderniß zu überwinden. In solchenWegen und Terrains wird nun allerdings der Marsch be-deutend sich verlängern, und es ist nichts anderes zu thun,als die verschiedenen Abtheilungen in gewissen Zeiträumen,welche mit dem zu überwindenden Hindernisse in Ver«hältniß stehen, einander folgen zu lassen, wodurch das'sonst unfehlbar eintretende fortwährende Nachrücken undStocken allein vermieden wird, und nach Maßgabe derZeit immer die verschiedenen Theile Zeit gewinnen werdenzu füttern, während ein Theil das Hinderniß überschreitet,und sie so einander in Abständen folgen, welche jede ein-zelne Batterie in den Stand setzt, das Hinderniß, ohneStockung zu veranlassen, zu überwinden.
Nachtmärsche sind unter allen Umständen die gefähr-lichsten und beschwerlichsten Kriegsbewegungen, und ewigwahr wird bleiben, was Preußens unvergeßlicher, mitRecht gefeierter, Feldherr Blücher aussprach (1806), erfürchte Nachtmärsche mehr als den Feind, und die Kriegs-geschichte stellt uns wenig glänzende Erfolge der Nacht-märsche dar *). In der Regel sind Nachtmärsche heim-liche Marsche, und alle bei letztem statt findenden Vor-sichtsmaßregeln finden Anwendung. Für die Artillerie
I) Der nächtliche Marsch des Königs vor der Schlachtbei Lieguitz, wenn gleich nur kurz und mehr als eine Verände-rung der Stellung zu betrachten, brachte doch Unordnung her-vor, obgleich der König schon Abends mit allen seinen Genera-len auf die Höhe von Pfaffendorf geritten war, und ihnen dieneue Stellung genau angegeben harre- Hier verdient noch be-merkt ru werden, daß, als General Laudon auf die preußischeArmee stieß, eine 12pfünder-Batterie von 10 Stücken Geschütz,die sich an der Tc-ce der Preußen befand, auf einen kleinenHügel eilte, und gleich durch Kartätschen die östreichischen An-griffe zurückwies, deren Anstrengungen, die Batterie zu nehmen,vergeblich blieben.