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immer, und nicht blos der Vertheidigung wegen, zu ver-schanzen, sondern ihre Soldaten immer zu beschäftigen,in Arbeit und Thätigkeit zu erhalten; denn auch in weiterEntfernung vom Feinde, öfter auch nur für eine Nacht,pflegten sie ihre Lager zu verschanzen. Nach dem Unter-gänge des römischen Reiches verlor sich mit der Kriegs-kunst desselben auch die Bcfestigungskunst, und wir findenin dem rohen Getümmel der Völker nach dieser Zeit da-von keine Spur; eben so wenig in den spätern Zeiten desRitterwcsens, wo Reiterei die Hauptwaffe der Völkerausmachte, Wälle und Verschanzungcn aber dem Geistedes Rittcrthums entgegen waren. Als nach dieser Periodeendlich das Fußvolk in Aufnahme kam und die Mehrzahlder Armeen ausmachte, das Ritterwesen ganz verschwand,da fing man auch schon wieder an, sich zu verschanzen,obwohl nur sehr unvollkommen, nämlich das Lager mitWagen in mehreren Reihen zu umgeben. Mit GustavAdolph erschien auch dieser Theil der Kriegskunst in einervollkommenen Gestalt; die Linien desselben bei Nürnberg,das Lager bei Zirndorf, unweit dieser Stadt, sind außerden vielen sogenannten Schwcdenschanzen, von welchenman in ganz Deutschland noch Spuren findet, Beweise.
Es scheint, daß mit der Vermehrung des Geschützesdie Gewohnheit, Lager und Posten zu verschanzen, zuge-nommen habe und mehr ausgebildet worden sei, um gegendie Geschosse Schutz zu erhalten, und man hat in den ver-schiedenen Perioden der Kriegführung auch hier, wie inder Taktik, in der Theorie mitunter seltsame Formen undFiguren der einzelnen Schanzen sowohl, als ganzer Linienoder Rctrenschements, erfunden, um flankirendcs Feuer zuerhalten.
Viele Ingenieure bearbeiteten diesen Theil der Kriegs-kunst wissenschaftlich, und bildeten oft verschiedene Systeme.Vauban schlägt 300 für 250 bis 300 Mann eingerichtete,durch Linien mit einander verbundene Rcdans von 300