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2 (1824) Zweiter Theil / von W. von Grevenitz
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an zwei oder drei Orte alle seine Kräfte hinbringenkönne; ist man mit ihm in gleicher Stärke, man ebenso wenig diesem werde ausweichen können, und ist manstärker, man es nicht nöthig habe, sich hinter Brustweh-ren zu stellen; die besten Rctrenschcments seien solche, wel-che die Natur gemacht hat, die guten Dispositionen unddie am besten disciplinirten Truppen.

Diesen Grundsätzen folgte der große König, und derdenkwürdige siebenjährige Krieg stellt nur ein Beispiel vonihm selbst, und zwei von einem Unterfcldherrn auf, wodie preußische Armee ein verschanztes Lager bezog. Letzterewaren bei Colberg und Breslau. Das Lager bei Col-bcrg, vom Herzog von Wirtemberg mit nachahmungs«würdiger Kunst und Benutzung des Terrains angelegt,ward von den Russen fast wie eine Festung durch förm-liche Trenschecn angegriffen, und nach nicht unbedeutendemWiderstände gelang es den Preußen, sich endlich über diePersante nach Stettin zu ziehen. Das zweite verschanzteLager bei Breslau, vom Herzog von Bcvcrn angelegt, be-stand aus verschiedenen Rcdouten, retrenschirtcn Dörfernund zusammenhangenden Retrenschcmcnts, die Lohe vorder Front, und nahm vom Dorfe Pilsnitz bis an dieOhlau fast eine Weite von 14 deutschen Meilen ein. Die-ses Lager war für die kleine Armee viel zu weitläuftig, esward überall angegriffen und die Preußen geschlagen. Dasdritte verschanzte Lager bei Bunzelwitz nahm der Königselbst, und mit Recht verdient dieses noch jetzt als Mu-ster Erwähnung. Ein Verlust für die Kriegskunst ist es,daß der von Laudon projektirte Angriff nicht zur Ausfüh-rung kam. Wahrscheinlich hätten wir hier den großenKönig kühn wie Cäsar dem Feinde mit dem linken Flügelseiner Armee über Teichenau, Bunzelwitz und Säbischdorfin die Ebenen von Schweidnitz entgegen rücken, und dieAngriffe des Feindes in die Flanke nehmen sehen, welcherMarsch nach der Ebene durch die Bataillone hinter und