Buch 
Lehrbuch der Colonial- und Spezerei-Waarenkunde / von Dr. S.A. Schwarzkopf
Entstehung
Seite
722
JPEG-Download
 

722

II. Abtbeilimg. Das Tkierreich.

»igfache» Verlusten waren die Holländer froh, daß sie am Ende die Frei-heit erhielten, 10 Meilen von der englischen Küste ihre Fischerei betreibenzu dürfen. So »achtbeilig alle diese Stürme für die holländische Herings-fischerei auch seyn mochten und so viele Verluste Holland dadurch erlitt, sohob sich doch während des 17. Jahrhunderts die Fischerei immer mehr underst seit dem Anfange des 18. Jahrhunderts, als auch andere Nationen an-fingen, den Heringsfang zu betreiben, kam der holländische allmählig in Verfall.

Im Anfange des 17. Jahrhunderts, als die Holländer noch sehr we-nige Concurrcnten hatten, auch ungleich mehr Heringe als später consumirtwurden, schickten sie bis auf 3000 Buyscn nach der englischen und schotti-schen Küste auf den Heringsfang aus. Die Holländer selbst gaben in ihrerVorstellung, die sie Jacob I. überreichten, um ihn zu veranlassen, sein Ver-bot zurückzunehmen, die Anzahl der Menschen, die sich in Holland vomHeringsfange nährten, aus 60,000 an. Benjamin Worstley, den Carl II.1667 nach Holland sendete, um Erkundigungen über die holländische Fische-rei in der Nordsee einzuziehen, schlug in seinem deßhalb ertheilten Berichteden Werth der jährlichen Ausbeute des Herings- und Kabeljaufanges weithöher an, als den jährlichen Ertrag aus den englischen und französischenManufakturen und Fabriken zusammengenommen.

Allgemeine Abnahme der Konsumtion und die regere Theilnahme deranderen Nationen an dieser Fischerei führten, wie schon bemerkt, den Ver-fall der holländischen allmählig herbei. In der lebten Hälfte des 18. Jahr-hunderts war besonders Schweden außerordentlich thätig, vorzüglich ander schwedischen Küste des Kattcgats, und führte gegen 130,000 TonnenHeringe in andere Länder, die ihren Bedarf früher von den Holländern er-halten hatten, aus. Auch erlitten die Holländer einen bedeutenden Verlustdurch die im Jahre 1770 in Emdcn errichtete Heringsfischerei-Compagnie;dieselbe schickte schon im ersten Jahre ihres Bestehens 6 Buysen, im Jahre1776 14, dann 15, 22, 24 und im Jahre 1786 schon 45 Buyscn aus, de-ren Fang einen reinen Gewinn von wenigstens 200,000 Gulden abwarf,eine Summe, die vorher ebenfalls den Holländern zugeflossen war. Auchdie Engländer und Franzosen legten sich schon gegen die Mitte des 18.Jahrhunderts mit immer mehr Eifer auf den Hcringsfang und der Werthder französischen Fischerei verdoppelte sich *).

Aus dieser kurzen Geschichte der Hcringsfischerei ersehen wir schon,daß der Heringsbandcl von allen Nationen, welche Schiffe zu diesem Fang

*) Ungewikter, Handelsgeschichte.