VIII. Gruppe. Brenn - und Leuchtstoffe.
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zur Gewinnung der Stearinsäure und Stearinkerzen das in neuerer Zeitin großen Quantitäten in den Handel kommende billige Palmöl js. d.).
Die in den Handel kommenden
Sorten unterscheiden sich theilwcise nach ihrer verschiedenen Schwe-re, theils nach den Fabriken, in welchen sie gefertigt wurden, theilsdurch den Zusatz an Wachs. Sie kommen theils als Millykerzen,theils als Stearinkerzen in den Handel. Die in Wien verfertigtenApollokerzen sind ebenfalls Stearinkerzen, aber von vorzüglicher Güte,die weit versendet und gern gekauft werden. In neuerer Zeit werden auchs. g. Sonnenlichter sabricirt, welche zu sehr niedrigen Preisen, dochaber immer noch theuerer als Talgkerzen, verkauft werden. Sie bestehenaus Talg und einer äußeren schwachen Hülle von Stearin, brennen zwarsehr rein und hell, lassen aber, da Talg leichter als Stearin schmilzt, einenhohen Rand, haben kein schönes Aussehen und verbrennen fast eben so raschwie Talgkerzen.
Kennzeichen der Güte. Die Lichter müssen schön weiß, glänzend,hart und, wie der Stearin, klingend seyn. Gelblich oder schmutzig ausse-hende Lichter sind zu verwerfen, da sie eine Beimischung von andern Stof-fen enthalten.
Aufbewahrung. Gewöhnlich in ihrer ursprünglichen Verpackungper Dutzend in blauem oder anderem Papier, in Kistchcn und an trocke-nen Qrten.
Gebrauch ist bekannt.
Handel. In fast allen Ländern finden sich jetzt Stcarinkerzenfabri-ken, welche ihr Geschäft in großer Ausdehnung betreiben. Die Haupt-fabrikplätze in Deutschland sind Wien, Berlin, Schönfeld bei Leipzig, Stet-tin, Hamburg u. s. w. In Wien ist namentlich die Apollokerzenfabrik be-rühmt, welche von sämmtlichen Seifensiedern Wiens errichtet wurde undbedeutende Geschäfte macht. Dieses und ein zweites Etablissement daselbstproduciren jährlich gegen 9ÜVÜ Ctr. Stearinlichter, ungefähr die Hälfte derganzen Produktion Oesterreichs. Auch England und Nordamerika zeichnensich durch ihre Fabrikation von Stearinlichtern aus und es liefert nament-lich letzteres eine bedeutende Menge nach Chili, wo sie die Wachslichter fastganz verdrängt haben und in den Kirchen an deren Stelle gebraucht wer-den. Nach Rio kommen Stearinlichter von Europa und Nordamerika inKisten von 1 Arroba, die eine Hälfte zu 5, die andere zu 6 Lichtern aufdas Pfund. Die