VIII. Gruppe. Brenn - und Leuchtstoffe.
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Hieraus hängt man sie in umgekehrter Lage wiever an die Scheibe und be-gießt sie zum zweiten Male. Durch diesen Nachguß erhalten sie oben undunten gleiche Dicke, worauf sie nochmals gerollt, zwischen Federdecken oderauch zwischen mehrfach zusammengeschlagene Leinwand gelegt und langsamerkaltet werden. Ist auch diese Arbeit geschehen, so werden sie nach einembestimmten Maßstabe gerade geschnitten und der Schnitt wird, damit derDocht unsichtbar werde, mit einem Holze verrieben. Zum vollständigen Er-kalten legt man sie zuerst in ein Gefäß mit Wasser und dann in einenDurchschlag, um das Wasser ablaufen zu lassen, worauf sie auf Hölzer ge-reiht, einige Tage gebleicht, dann mit reinen leinenen Läppchen abgeriebenund pfundweise verpackt werden.
Die im Handel weniger vorkommenden, oft 10, 20, 30 und mehr Pfd.schweren Altarkerzekl erhält man nicht durch Begießen der Dochte, son-dern dadurch, daß man einen Klumpen Wachs nach der Länge der Kerzeauswalzt, dann mit einem Messer eine mit der Axe des Wachscylindersparallel laufende Spalte bis auf seine Axe macht und den Docht in diesehineinlegt, worauf die Spalte wieder mit Wachs ausgefüllt und die Kerzeso lange gerollt wird, bis sie genau die verlangte Gestalt hat. — Dienamentlich um die Weihnachtszeit häufig in den Handel kommenden Wachs-stöcke werden aus langen, dünnen Dochten gefertigt, welche man je nachihrer Dicke mehrere Male durch flüssiges Wachs und dann durch die Löchereines Zieheisens zieht, wodurch sie gleichmäßig dick werden.
Die in den Handel kommenden verschiedenen
Sorten unterscheiden sich durch ihre Form in
1) Wachs- oder Tafel lichter, welche gewöhnlich in Pfundpacketegepackt und von denen, jenachdcm sie lang, schwer und dick find, 4, 5, 6,8, 10, 12 und mehr Stücke auf das Pfund gehen;
2) Altarkerzen, gelbe, weiße und bemalte, ebenfalls von verschie-dener Größe, Dicke und Schwere;
3) Wachs stöcke von den verschiedenartigsten Formen, künstlich zusam-mengewickelt, entweder weiß, gelb oder bemalt.
Kennzeichen der Güte. Gute Wachslichter lassen sich leicht amGeruch, durch das Gefühl und an der Farbe erkennen. Betrügerische Fa-brikanten setzen dem Wachs oft Talg, Harz oder Terpentin zu, was aberleicht an dem stärkeren Dampfen und leichteren Fließen solcher Lichter zuerkennen ist. Auch thut man wohl, beim Einkauf von Wachslichtern einsoder das andere derselben zu zerbrechen, um seine innere Eigenschaft kcn-