Extractum Abeinthii.
339
mit Rücksicht auf die verminderte Grösse der Oberfläche vollauf die 3facheMenge ist. Unter allen Umständen wird also die Zeit der Verdampfung aufdie drei- bis vierfache Ausdehnung steigen, wenn die in der Pharmaoopoe be-obachteten Temperaturen genau eingehalten werden.
Der einzige unabweisbare Grund, welcher alle diese Einwendungen beseiti-gen würde, könnte kein anderer sein, als dass die im vollen Dampfbade bereitetenExtracte schlecht wären, dass sie den Zwecken des Arztes nicht entsprächen. Hieraber spricht die Erfahrung sich zu bestimmt aus. Die mit Sorgfalt im vollenDampfbade und bei kräftigem Rühren bereiteten Extracte sind von der vor-trefflichsten Art. Sie sind im Striche auf Papier hochgelb von Farbe, vollkom-men klar löslich, höchst aromatisch, und es sind diejenigen, von denen diemeisten und günstigsten Erfahrungen der Aerzte herrühren. Die aromatischenExtracte, wie Extr. Cort. Aurantorium, sind brennend scharf auf der Zunge,und besitzen grosse Mengen flüchtiger Substanzen, wenn sie nicht gekochtworden sind. Selbst diejenigen, welche, strenggenommen, nicht aromatisch sind,wie von Gentiana , Centaurium minus, Trifolium fibrinum, Rheum, besitzen inhohem Grade den eigenthümlichen Geruch der Substanzen, von denen sie her-rühren. Da also in dieser Beziehung den gut bereiteten Extracten keinVorwurfgemacht werden kann, so behält die oben angeführte Beweisführung wegender Schwierigkeit, fast Unmöglichkeit der Ausführung, der grösseren Mühe,des grösseren Verbrauches von Brennmaterial, der längeren Dauer, der mög-lichen und wahrscheinlichen Verderbniss der Flüssigkeiten bei grossen Quanti-täten ihre volle Geltung.
Ich beziehe mich in diesem Sinne auf eine Untersuchung von Buff (Anna-len der Pharin. XVIII, I.j, worin er die Frage behandelt, ob es zweckmässig sei, dieVerdunstung der Flüssigkeiten durch Wechsel von Luft zu bewirken, und even-tualiter, ob man die Flüssigkeit erwärmen solle oder nicht. Bei Buff ist be-ständig von Einblasen der Luft die Rede. In unserem Falle findet der Luft-wechsel auf der Oberfläche bloss durch das Aufsteigen der warmen Schicht, unddie geringe Bewegung des Spatels Statt. Beide Fälle haben aber das miteinander gemein, dass die Verdunstung nur in der Luft und durch den Wechselderselben geschieht, dass die Luft sich mit Dampf entsprechend der Temperatur derLuft und Flüssigkeit sättigt, und in diesem Sättigungszustand weggeführt unddurch neue Luft verdrängt wird. Da nun die Quantität von Wasser, die ineinem bestimmten mit Dampf gesättigten Volum Luft enthalten ist, bei einer nie-deren Temperatur viel kleiner ist, als bei einer höheren Temperatur, da fernerder Luftwechsel über einer Schale im Verhältniss kleiner ist, als die aufsteigendemit Wasserdampf beladene Luft weniger warm ist, so concurriren beide Ursachendahin, dass die Zeit der Verdampfung bei niederer Temperatur viel länger seinmüsse, und dass die Menge der hinzutretenden Luft weit grösser sein müsse.Buff fand nach den bekannten Constanten aus der Physik der Wärme, dasswenn die Temperatur des abziehenden Dampfes 72° R. (90° C.) ist, zur Ver-dampfung von 1 Pfund Wasser 7,7 Kubikfuss Luft nothwendig sind; bei G4°R.(80° C.) sind 19,8 K.-F. nöthig; bei 56° R. (70° 6.) 39 K.-F.; bei 48° R. (60°C.)72 K.-F.; bei 40° R. (50° C.) 129 K.-F.; bei 32° R. (40° C.) bereits 247 K.-F.;endlich bei 24° R. (30° C.) sind 434 K.-F. Luft zum Verdunsten von 1 PfundWasser nöthig. Dieses enorme rasche Abnehmen der nöthigen Luftmenge inhöheren Temperaturen steht im innigsten Zusammenhange mit dem raschenSteigen der Spannung der Wasserdämpfe in der Nähe des Siedepunktes unddarüber hinaus. Die Dichtigkeit, des Dampfes steht aber mit seiner Spannungm einem geraden Verhältnisse. Aus diesen Gründen ist es einleuchtend, dassm der Nähe des Siedepunktes jeder einzelne Grad mehr oder weniger einenenormen Unterschied in der Verdampfung macht, während in tieferen Regionen
ymn
..... - - ' WSj