Buch 
Commentar zur Preussischen Pharmacopoe : nebst Uebersetzung des Textes : für Apotheker, Aerzte und Medicinal-Beamte / nach der sechsten Auflage der Pharmacopoea Borussica bearbeitet von Friedrich Mohr
Entstehung
Seite
359
JPEG-Download
 

Extractum Colombo. 359

sie bei gelinder Wärme vollständig aus, und bewahre sie pulverisirtsorgfältig auf.

Es sei ein gelbbraunes Pulver von trüber wässeriger Lösung.

Diese Arten von Extracten sind die dritte Form, welche aus der Pharma -copoea universales herübergenommen wurde. Nach demselben Modelle werdennoch Extr. Colombo, Cort. Aurantiorum , Folior. Juglandis, Hellebori nigri undA 'icotianae bereitet. Das Wesentliche in der Bereitungsart, dessen Eigenthüm-lichkeit nicht verkannt werden kann, besteht in der Anwendung zweier verschie-dener Lösungsmittel. Der harzige und wirksame Bestandtheil wird zuerst mitrectificirtem Weingeist ausgezogen; der zweite und letzte Auszug wird miteinem Gemenge aus gleichem Gewichte Weingeist und Wasser angestellt. Jedes-mal wird stark ausgepresst. Der Zweck jeder dieser beiden Operationen ist einbesonderer, der erste Auszug nimmt die heilkräftige Substanz mit, der zweiteverdünntere Weingeist nimmt den Rest der wirksamen Substanz mit, und vonden in Wasser löslichen Bestandtheilen nur so viel, dass sich das Extract nach-her wieder in Wasser vertheilen lasse. Der in Wasser allein lösliche Bestand-theil ist gewöhnlich schleimiger Natur und nicht wirksam. Der rein wässerigeAuszug nimmt zwar auch einen Theil der harzigen Bestandtheile mit, besonderswenn er sehr concentrirt ist. Dagegen löst Wasser zu viel von den schleimigenStoffen auf, und lässt zu viel von den harzigen zurück. Durch die hintereinan-der folgende Wirkung dieser beiden Lösungsmittel wird ein vollkommen günstigesResultat erhalten. Alan erhält viel von einem sehr kräftigen Extracte. Allenach dieser Methode dargestellten Extracte müssen sich zu sehr trüben Flüssig-keiten in Wasser lösen. Macht man beide Auszüge mit rectificirtem oder nochstärkerem Weingeist, so bleibt bei der Lösung ein Theil des Extractes harzartigam Boden des Mörsers kleben und lässt sich nicht in Wasser zertheilen.

Nur die Zwischenlagerung einer gewissen Menge in Wasser löslicher Be-standtheile hindert dieses ungünstige Ereigniss.

Da Weingeist ungleich weniger flüchtig ist als Aetlier, so kann man sichzum Anpressen ganz bequem der unter Extr. Cinae aethereum beschriebenenPresse, Fig. 43 bedienen.

Die Pharmacopoe lässt den ganzen Weingeistgehalt durch Verdampfen indie Luft treiben. Ich kann keinen Grund zu diesem verschwenderischen Verfahreneinsehen. Der aus dem Dampfbade abdestillirte Weingeist enthält bei Extr. Co-locynthidis gar nichts, bei Extr. Cort. Aurantiorum eine so unbedeutende Mengeätherisches Del, das er bloss riecht, durch Wasserzusatz aber nicht trüb wird.Wenn der gewonnene Spiritus auch zu keinem anderen Zwecke in der Pharmacieals zur Bereitung desselben Extractes gebraucht werden kann, so steht dochnichts entgegen, denselben zum Verbrennen zu gebrauchen. Die Erfahrunghat gezeigt, dass die nach der Vorschrift der Pharm. universalis für Extr.Angeäcae (pag. 385) bereiteten Extracte sehr wenig gefärbt und stark von Geruchund Geschmack sind.

Das Coloquintenextract ist sehr harziger Natur; durch Erwärmen erweichtes bedeutend, selbst in sehr ausgetrocknetem Zustande. 12 Unzen Coloquiutengeben 2 Unzen 3 Drachmen trocknes Extract.

Extractum, Colombo. Colomboertract.

Es soll aus der Colombowurzel wie das Koloquintenextractbereitet werden, nur dass vorn rectificirten Weingeist zwei